Begrenzter Tiefgang

Boitos «Mefistofele» aus der Bayerischen Staatsoper

Opernwelt - Logo

«Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad ...» Warum fällt uns bei Mephistos auch auf dem Cover der DVD abgebildeter Teufelsfahrt auf dem Krad – mit Faust dahinter auf dem Doppelsitz – dieses Kinderlied ein? Vielleicht, weil Roland Schwabs Inszenierung von Boitos «Mefistofele» an der Bayerischen Staatsoper bei aller Düsternis in ihrer betriebsamen Verspieltheit auch etwas Kindliches hat? Den szenischen Rahmen bildet eine Art verfallener Flugzeug-Hangar, der (wie mehrfach festgestellt wurde) an den Zeittunnel in Götz Friedrichs Berliner «Ring»-Inszenierung erinnert.

Er dient zunächst Drogensüchtigen als Unterschlupf und erinnert in der Exaltiertheit der szenischen Arrangements manchmal eben auch an einen Hühnerstall. Schwab hört auf den Rat von Goethes Theaterdirektor, schont Prospekte nicht und nicht Maschinen, beschwört Rummelplatz-Atmosphäre und Budenzauber, siedelt die klassische Walpurgisnacht in einer Nervenheilanstalt an. «The Rake’s Progress» lässt grüßen.

Es ist eine wilde, doch letztlich konventionelle Show mit Oberflächenreiz, aber begrenztem Tiefgang. Der Titelheld wiederum hat so gar nichts Brunnenvergifterisches an sich; des ständigen Verneinens  ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der doppelte Spiegel

Die Frau, wir kennen sie. Stella, der Stern. Hoffmanns Idealgeliebte. Real erscheint sie nicht, nur als Phantasmagorie, als flammende Erinnerung des Dichters. Nach ihr sucht er, aber sucht er nicht vielmehr nach sich selbst? Es ist beides. Mit der Erzählung will er ihr nahekommen. Sie zurückerobern aus den Fängen der Gesellschaft, die sie unter ihrem Applaus...

Personalien, Meldungen

JUBILARE

Mary Violet Leontyne Price wurde 1927 in Laurel/Mississippi geboren und begann ihre musikalische Ausbildung mit Klavierunterricht und als Sängerin im Kirchenchor. Nach dem Studium der Musikpädagogik wurde sie an der New Yorker Juilliard School angenommen und studierte bei Florence Ward Kimball Gesang. Hier war die Sopranistin auch in ihrer ersten...

Diskrete Erotik

Auf deutschen Bühnen begegnet man Maurice Ravels einaktiger musikalischer Komödie «L’heure espagnole» (1911) vergleichsweise selten, auf Tonträgern ist sie jedoch eindrucksvoll repräsentiert. Eine erste Gesamtaufnahme, die vom Komponisten selbst beaufsichtigt wurde, erschien bereits 1929, nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen sich Dirigenten-Koryphäen wie René...