Bedingungslos werktreu

Dem Dirigenten, Quellenforscher und Widerspruchsgeist Hartmut Haenchen zum 80.

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Wenn er in der ersten Probe ans Pult tritt, ist das Gros der Arbeit schon getan. Viel, ja: zu viel gilt es schließlich zu berichtigen, korrigieren, auszumerzen. Ohnehin hat Hartmut Haenchen gern eigenes Material dabei, was Musikerinnen und Musikern regelmäßig die Augen übergehen lässt. Fast in jedem Takt, fast auf jeder Note findet sich da ein für sie neues Vortragszeichen – so die Note überhaupt als korrekt befunden wurde. Deshalb passt die Berufsbezeichnung «Dirigent» nur bedingt zu Haenchen.

Er ist noch Quellenforscher, Musikhistoriker, Dozent in eigener Sache und kann dabei, auch davon wissen die Orchester lange Lieder zu singen, durchaus penetrant werden.

Dabei ist der Dresdner nur vom Selbstverständlichsten der Welt überzeugt: In der Interpretation manifestiert sich nicht der subjektive Wille des Dirigenten. Sie muss fußen auf stilistischem und historischem Bewusstsein, vor allem auf dem richtigen Notentext. Insofern ist für Haenchen jede Tradition zu hinterfragen – weil sie oft auf Moden basiert, falsch verstanden wird und sich gern erschöpft im «Das haben wir schon immer so gemacht». Wer so denkt und agiert, eckt an. Und manchmal wird dabei die Schwelle zum Politischen ...

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Opernwelt März 2023
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Markus Thiel

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