Bach. Irgendwo, irgendwann
Vom Bahnhof biegt mit anmutigem Abwärtsschwung eine Ladenzeile ab, Kirschbäume blühen vor viktorianischen Reihenhäusern. Queens Park, zehn U-Bahn-Minuten von der Innenstadt, atmet Kleinstadtfrieden. Aber auch London ist, Covid-bedingt, langsam dicht. Der Gourmet-Coffeeshop, wo ich Pavel Kolesnikov treffen soll, brüht nurmehr to go. Eine Bäckerei hat noch Tische offen – dort finde ich den Pianisten. Hallo, sagt er, «ist das okay für dich hier, oder ist es zu laut? Sonst können wir auch zu mir. »
Wir sehen uns um, wir sehen uns an.
Das Kaffeemahlwerk dröhnt, der Schäumer zischt. Stuhlbeinschaben, Menschenlachen. Das Band abzuhören wird die Hölle. Aber wir ahnen: Einfach im Café sitzen, das wird bald lange nicht mehr gehen. Wir bleiben. Gehen wir Händewaschen, schlägt Kolesnikov vor. Das tun wir. Erst ich, dann er. Der Auftakt hat was von Ritual, mir wird ein bisschen feierlich zumute.
Kolesnikov hat karamellblonde Locken und eine grün gerahmte Brille, wirkt trotz schwerer Lederjacke luftig. Ein schmaler Mensch mit feinen Zügen, der ewig jünger aussehen wird, als er ist. Wenn er sagt, dass ihn der als Kind erlebte Kollaps der Sowjetunion mit einer gewissen Krisentoleranz ...
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Opernwelt Juli 2020
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Wiebke Roloff-Halsey
Das wird uns eine Leere sein», titelte kürzlich die «Süddeutsche Zeitung», als sie eine Zwischenbilanz der verheerenden Folgen des Corona-Lockdowns für die Kultur zog. Das Projektteam der Münchener Musikbiennale hat diese Leere offenbar vorausgeahnt, als sie das Programmbuchdesign für die Festivalausgabe 2020 plante – noch vor der Coronakrise. «Point of NEW Return»...
Herr Morell, sehen Sie Bildregie eher als dienende oder als gestaltende Funktion?
Ich bin arrogant genug, es für eine gestaltende Funktion zu halten. Der Wunsch nach der Lenkung des Zuschauers ist tatsächlich eine Triebfeder.
Wie entscheiden Sie bei der Oper oder im Schauspiel, wohin Sie den Blick des Zuschauers lenken?
Filmisch gesprochen, zoomt im Theater...
Es ist ein Glücksfall für Adrienne Goehler, die Herausgeberin dieses Buches, dass das bedingungslose Grundeinkommen (kurz: BGE) in der derzeitigen ökonomischen Situation wieder mehr diskutiert wird. Dabei hat Goehler auch sonst nie Scheu gezeigt, über Dinge zu sprechen, die gerade nicht auf der Tagesordnung stehen, und häufig wählt sie dabei einen Ansatz, den...
