Ausgesperrte Natur
Die Natur ist quasi verbannt. Das ist gut, weil so klar wird, dass es nicht um Edelweiß-Romantik geht. Gleichzeitig ist dies von Nachteil, weil dadurch die symbolische Ebene der Natur völlig ausgeblendet wird.
Wenn Nicolas Joël an der Düsseldorfer Rheinoper Alfredo Catalanis «La Wally» inszeniert und dabei Felsen, Sturzbäche und Lawinen von der sichtbaren Bühne verbannt, mag das der Konzentration auf die Figuren zwar dienlich sein, doch bei Catalani dient die Bergwelt eben nicht nur als grandiose Kulisse, sondern zugleich als Symbol für Wallys von Elementargefühlen geleitetes Verhalten. Schließlich wird das Selbstmord-Szenario am Ende nicht von Menschenhand, sondern durch die Mächte der Natur herbeigeführt. Joëls Lösungsversuch besteht darin, die Nebelmaschinen anzuwerfen. Das aber reicht nicht aus.
Joël lässt die Figuren vornehmlich über zwei große Stege laufen: Der eine führt quer über die Bühne, der andere, einer Skisprungschanze ähnlich, ragt vom hinteren Ende bis über den Orchestergraben. Vor diesem Hintergrund wird besonders auffällig, dass die Geschichte um Wally auf eher spannungsarme Weise erzählt wird. Die Figuren und die Welt, in der sie sich bewegen, werden weitgehend ...
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Am 24. Oktober 1998 kam Gioacchino Rossinis «Guillaume Tell» in einer Inszenierung von David Pountney erstmals nach Wien. Zumindest was die französische Fassung betrifft (vgl. OW 12/98). Der ORF hat diesen Premierenabend mit seinen Mikrofonen begleitet und den Mitschnitt im Schiller-Jahr zur Veröffentlichung bei Orfeo freigegeben.
Da die diskografische Situation...
Das Berner Stadttheater zeigt nicht nur mehrere, sondern auch diametral entgegengesetzte Gesichter. Nach der an Peinlichkeiten reichen Produktion von Catalanis «La Wally» (OW 4/2005) in der Regie von Renata Scotto nun also Peter Eötvös’ Tschechow-Oper «Tri sestri» in einer schlichten, aber überaus luziden, eindrucksvollen Inszenierung.
Dass man mit diesem Werk ein...
Ein Zyklus von sieben Teilen mit 29 Stunden Spieldauer: Neben Karlheinz Stockhausens «Licht – Die sieben Tage der Woche» schrumpft Wagners «Ring» fast auf Einakter-Format. Nach der Vorstellung einzelner Tage in Mailand und Leipzig und der konzertanten Präsentation zahlreicher Szenen harrt das jüngst vollendete Riesenwerk jetzt einer Gesamtaufführung. Für sie...
