Ausgebleicht
Das Stück ist sakrosankt, unantastbar. Vollendete Vokalkunst. Und einer der tristesten Klagegesänge der Musikgeschichte. «When I am laid in earth», Didos Weltabschiedsarie, trägt den Schmerz einer ganzen Epoche in sich, ist aber zugleich von einer so ätherischen Schönheit, dass man das Leben im Jenseits fast schon wieder als wunderbar imaginieren möchte. Der Tod als Geschenk.
«When I am laid in earth»: In der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin hören wir dieses Stück, überaus expressiv, vielleicht eine Spur zu pathetisch vorgetragen von Abigail Lewis, und doch ist es ein anderes Stück. Eine Übermalung, die allerdings mehr Aussparung ist; Entfärbung, ja Ausbleichung, so, als sei die Arie mehrfach in der Waschmaschine gewesen. Die Melodie ist, wie sie im Original klingt: schlicht, kantabel, fließend. Verändert sind ihre Kontexte, verändert ist die harmonische Struktur: Dissonanzen haben sich eingeschlichen, Aufrauhungen. Wie Kratzspuren auf vorbarocker Oberfläche, so klingt die Musik jetzt – und damit, wie in die Zeit gekommen, unsere Zeit.
Michael Hirsch hat sich dem Komponisten Henry Purcell für sein Musiktheater in zwei Teilen «Dido» behutsam angenähert. Bekundet seinen Respekt ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Jürgen Otten
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Hans Hotter (1909-2003), für eine Dekade der bestimmende Heldenbariton im Nachkriegs-Bayreuth, war von Anbeginn seiner Karriere auch ein herausragender Liedinterpret, wie seine zahlreichen Beiträge zu der legendären Liededition des Pianisten Michael Raucheisen belegen. 1973, da war er schon 64 Jahre alt und nur noch gelegentlich auf der Opernbühne aktiv, wollte er...
Die Ankündigung der Deutschen Oper Berlin, ein Stück des weithin unbekannten Komponisten Andrea Lorenzo Scartazzini uraufführen zu wollen, weckte reichlich Verwunderung. Der Schweizer hatte zwar in Basel und Frankfurt mit einer Oper nach E. T. A. Hoffmanns «Sandmann» (siehe OW 12/2012) und in Erfurt, später in Bern mit seinem Bühnenerstling «Wut» auf sich...
