Aus der Fülle
Auch wenn man diese «Parsifal»-Inszenierung zum zweiten Mal erlebt, kann nur ein Bruchteil der ständig flutenden Bilder im Gedächtnis bleiben. Die Zeitreise von der Uraufführung 1882 bis in Adenauers Bundestag ist klarer geworden (sie ist in diesem Jahr durch Flüchtlinge ergänzt, die nach «Ich sah ihn und lachte...» von NS-Soldaten weggeführt werden). Doch sie erscheint auch weniger wichtig, Rahmen nur für die Verästelungen der Ikonografie, des Theaters auf dem Theater, der psychologischen Abhängigkeiten, der gespaltenen und vervielfältigten Figuren.
Dieser Fülle steht, oft einhegend, bisweilen banalisierend, die Tendenz zum Zeigen gegenüber: Das Wort wird Bild, ständig. Und damit sind wir weniger bei der mystischen Erlebnisschicht des «Parsifal» als bei einem riesigen Bühnenbildschirm, der auf verschiedenen Fenstern immer das zeigt, was gerade gesagt, erinnert oder vorausgeahnt wird. Weniger wäre mehr.
Daniele Gatti hat sich weitgehend von den zerdehnten, pseudo-feierlichen Tempi des Vorjahres verabschiedet. Wirklich überzeugend wurde sein Dirigat deshalb noch nicht. Das Vorspiel kam erstaunlich unkonzentriert; bei den Erzählungen des Gurnemanz (souverän im balsamischen Ton, mit ...
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Herbstlaub, Asche, Staub. Acht betongraue Himmelstürme ragen in den Schnürboden. Bleischwer ist die Luft, von den Klagelauten aus den Büchern Jesaja und Jeremia und vom Gehämmer der Trümmerfrauen. Alles schmeckt hier nach Apokalypse, nach Endzeit – die Sprache, die Geräusche, die Musik, der Raum. «Am Anfang» hat Anselm Kiefer seine Installation für die Pariser...
Seit ihrem Debüt mit dem «Fliegenden Holländer» in Würzburg 2002 hat Katharina Wagner in Budapest, München, Berlin, Bremen und natürlich in Bayreuth inszeniert. Doch nun: Gran Canaria. Wo bitte? Das Teatro Pérez Galdós in der Inselhauptstadt Las Palmas gehört kaum zu den Fixpunkten der europäischen Opernszene. Es hat 1200 Plätze. Normalerweise werden fertige...
Nach dem «24-Stunden-Ring» im Jahr 2005 und dem einwöchigen «Sixpack» mit der Tetra-logie plus «Tristan» und «Parsifal» 2007 gaben sich die Festspiele Erl in diesem Jahr nachgerade bescheiden: Zwei Produktionen hatte der Tiroler Festival-Chef Gustav Kuhn anberaumt, mit den «Meistersingern» und «Fidelio» allerdings ausgesprochene Schwergewichte.
Erl ist das Unikum...
