Aus der Ferne schwebt der Klang
Wie Ameisen auf der Haut fühlt sich diese Musik an. Ein fortwährendes Kribbeln, kaum zu lokalisieren zunächst. Dann plötzlich beißender Schmerz: jähe Präsenz und Wachheit. In «Written on Skin» entdeckt George Benjamin das Große im Kleinen, also braucht auch Otto Tausk am Pult keine wuchtige Geste: Oft sind es die scheinbar flüchtigen Momente, ein Vibrieren der Kontrabässe, ein Schweben des Fagotts, eine singende Bratsche, die entscheidend zum emotionalen Nachhall der Sankt Galler Neuproduktion beitragen.
Ein Herr gibt den Auftrag, das Buch seines Lebens zu illuminieren.
Die Frau fordert Realismus anstelle von Heroisierung. Und verliebt sich in den Buchkünstler. Der Mann ersticht den Knaben und zwingt die Frau, dessen Herz zu essen.
Aus der Ferne schwebt der Klang: Mirella Weingartens Bühne besteht aus zwei Spiegelflächen, aus Boden und Himmel, die schräg aufeinander zulaufen und den Blick aufs Orchester lenken: Als gut sichtbarer Motor und Mitspieler ist es im Hintergrund platziert. Es ist eine ausgesprochen kluge Bühne, und Andreas Volks Licht macht sie vollends wandelbar, bis hin zum scheinbar zufälligen Schattenspiel auf dem Sichtbeton des Theaterbaus.
«Written on Skin» ist eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Clemens Prokop
Das lange Sterben Violettas beginnt bereits bei geschlossenem Vorhang, mit den ersten Tönen des Preludio, Vorecho jenes zerbrechlichen Klanggespinstes in den hohen Violinen, das auch den letzten Akt von «La traviata» eröffnet und prägt. Es liegt nahe, Verdis Vorgriff auf das Ende der Oper auch szenisch zu realisieren. Genau das macht Rolando Villazón in seiner...
Den ausgefuchsten Dramatiker erkennt man am szenischen Rhythmus. Georg Friedrich Händel und sein Librettist Vincenzo Grimani hatten Sinn dafür. In «Agrippina» ist der Kontrast von vierter und fünfter Szene im zweiten Akt einfach brillant. Zuerst schleimt sich das gesamte Personal auf proppenvoller Bühne bei Kaiser Claudius ein. Dann fragt der stets loyale Otto nach...
ARD-ALPHA
12.7. – 11.00 Uhr
Fenomeno.
Porträt des Gitarristen Aniello Desiderio.
18./25.7. – 22.00 Uhr
KlickKlack.
Musikmagazin.
19.7. – 11.00 Uhr
Aniello Desiderio spielt
Gitarrenmusik aus Italien.
26.7. – 11.00 Uhr
Mariss Jansons dirigiert
Brahms: 2. Symphonie, D-Dur, op. 73, beim Lucerne Festival zu Ostern.
arte
1.7. – 5.15 Uhr
Romeo und Julia.
Aus der Reihe «Musik entdecken...
