Aus dem Geist der Sinfonie
Der verneinende Geist hat Konjunktur, auch auf Opernbühnen. Zu Beginn der Spielzeit München, an Pfingsten Baden-Baden – dazwischen jetzt Freiburg: Arrigo Boitos «Faust»-Oper mit der gezielten Titelwahl «Mefistofele» scheint Regisseure und Dramaturgen herauszufordern. «Und was in schwankender Erscheinung schwebt / Befestiget mit dauernden Gedanken.» Das Schweben nimmt Regisseur Ludger Engels durchaus wörtlich. Im Prolog präsentieren er und sein Ausstatter Ric Schachtebeck eine Art schwebende Glasvitrine, in die fortwährend Bühnennebel gepumpt wird.
Der Geist ist domestiziert und gefangen. Oder alles nur Trugbild? Engels’ Theater zeigt sich skeptisch gegenüber der Illusion, romantisches Instrumentarium wie Harfe und Donnerblech werden von der Bühne aus bespielt – WYSIWYG («What you see is what you get») sagt man im digitalen Zeitalter wohl dazu. Und man bekommt einiges zu sehen – eine Vertikalseilartistin etwa, die zum Chor der Büßerinnen im Prolog vergeblich versucht, den Höhen entgegenzuschweben.
Obsiegt also das Böse, triumphiert Mephisto? Engels hat richtig erkannt, dass der verneinende Geist keinen wirklichen Gegenspieler hat in dieser Oper. Einfache Antworten gibt es nicht: Ist ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Alexander Dick
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Grau verhangen, öde ist diese Landschaft. Seile hängen ins Bild. Verkohlte Sparren, bröckelnde Grabsteine, bandagierte Leichen, Betonbunker. Wie ein schwarzer Faden zieht sich dieses Ambiente durch Daniele Abbados «Attila»-Inszenierung, die als Koproduktion mit Venedigs La Fenice und dem Teatro Massimo in Palermo entstand. Bekanntlich geht es in Verdis neunter Oper...
An einem der Twin-Betten lehnt ein Rucksack, Radames’ Uniformjacke hängt an der Garderobe. Das Vorhangmuster wiederholt sich auf den Badezimmerkacheln. Hinterm Balkongeländer erstreckt sich eine Betonwüste; manchmal geht Amneris draußen in der Hitze eine rauchen. Eine ziemlich armselige Absteige, dieses Hotel: Radames’ Leben riecht nach Sackgasse (Ausstattung:...
