Auf Kante kanalisiert
Ein Appetithappen nur. Aber wenn diese weiter so ausfallen, wächst der Hunger aufs Festmahl ins Übergroße. Zur Saison 2020/21 erst übernimmt Yannick Nézet-Séguin den Musikdirektorposten an der Met. Im Graben ist er dort schon seit einiger Zeit aktiv, unter anderem mit Verdis «Otello». Im Oktober 2015 offerierten die New Yorker ihre Neuproduktion als Kinoübertragung, David Shengold hat zu Bartlett Shers schwer lahmender Inszenierung zwischen verschiebbaren Plexiglas-Vitrinen in «Opernwelt» alles gesagt (OW 11/2015).
Die Close-ups bescheren diesmal nicht dankbare Intensivierung, sondern gnadenlose Entblößung: Auf DVD lässt sich das nachprüfen.
Doch entscheidend ist ohnehin anderes: eine musikalische Interpretation, die es in ihrer Schnellkraft, in ihren nie gefühligen, sondern natürlichen Lyrismen, in ihren klanglichen Kulissenwechseln, auch in ihrer gern staubtrockenen Rhythmisierung mit großen Vorbildern aufnehmen kann. Nézet-Séguin ist schnell, aber nicht verhetzt. Kein Sänger darf seine Phrasen ausstellen, musikalische Dramaturgie und Logik stehen über allem. Dass die Bühne stets eng verzahnt ist mit dem Graben, belegt: Die Solisten haben verstanden und gestalten in bestem ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Markus Thiel
Das ganz große Programm rollt jetzt an. Verträge mit der Met, eine Agentur, die allzu gern Interviews platziert – und eine CD, «A Journey», mit der das PR-trächtige Divenfach des Belcanto bedient wird. Nicht mit Häppchen in diesem Fall, sondern mit ausgedehnten Szenen von «Beatrice di Tenda» bis «Lucia di Lammermoor», die erst einmal disponiert sein wollen. Die...
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