Auf der Achterbahn
Über seine wahre Herkunft lässt der rätselhafte Gralsritter Lohengrin das staunende Bühnenvolk wissen: « ... ein lichter Tempel stehet dort inmitten ...». Ein ganz anderes Erstaunen kennt der Opernbesucher in Chemnitz: Lohengrins Tempel, darf man fantasieren, wäre im Grunde genau hier zu verorten, an dem bei anbrechender Dunkelheit schimmernd bestrahlten Haus auf dem weiten Theaterplatz, pittoresk umrahmt von der Petrikirche und dem Palast der Kunstsammlungen.
Chemnitz, eine Stadt der politischen Krise? Das Theater jedenfalls leuchtet wie die «in fernem Land» angesiedelte Kunstvision Wagners. Seine «romantische Oper» befindet sich an ihrem angestammten Schauplatz. Und die «Gralserzählung», wie sie Mirko Roschkowski in der Premiere mit klarer, schöner, geschmeidig geführter Tenorstimme beschwört, ist nur der End- und Höhepunkt einer musikalisch rundum gelungenen Interpretation, für die der Chemnitzer GMD Guillermo García Calvo mit der beseelt klingenden Robert-Schumann-Philharmonie Sorge trägt.
Die harte szenische Distanz dazu wird unabweisbar, wenn sich nach den sorgfältig gebauten Klangwundern des Vorspiels der Vorhang hebt. Kaum bruchlos ist die ätherische Kunstübung der ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Wolfgang Schreiber
Als das weitläufige Kulturzentrum, das seinen Namen trägt, im Februar 2017 den Betrieb aufnahm, war Stavros Niarchos schon 21 Jahre tot. Nach dem Krieg, in den 1950ern und 1960ern, hatte der in Athen aufgewachsene Unternehmer mit einer günstig erworbenen und weltweit eingesetzten Schiffsflotte, zu der zeitweilig 80 Tanker gehörten, Milliarden verdient. Wie sein...
War es wirklich eine Überraschung, was da Ende Januar aus der sächsischen Landeshauptstadt an die Öffentlichkeit drang? Der Verein, der den seit 2006 jedes Jahr in Dresden veranstalteten Semper-Opernball organisiert, hatte den durch einen Staatsstreich an die Macht gekommenen ägyptischen Despoten Abdel Fattah El-Sisi für seine Verdienste als «Hoffnungsträger und...
Der Tod, so hat es Vladimir Jankélévitch mit poetischer Eindrücklichkeit formuliert, gleiche einer Leere, die mitten im Leben eines Wesens aufbricht; «das Seiende, das wie durch eine wundersame Verfinsterung plötzlich unsichtbar wird, stürzt sich auf einmal durch die Falltür des Nicht-Seins.» Andererseits, so der französische Philosoph in seinem Buch «Der Tod»,...
