Auf dem Laufsteg
Das Ereignis ist historisch, die Geschichte sicher nicht. Menschen treffen sich – mehr oder minder zufällig – im Kurhotel, um abzureisen. Zur Königskrönung von Karl X. nach Reims, 1825. So mancher Unbill, eine umgestürzte Kutsche und zu wenig Pferde, werden sie schließlich davon abhalten. Und so bleiben sie in Plombières und feiern. Und singen dort einen Toast auf den neuen Monarchen, auch wenn dieser vitaler Vertreter der Reaktion sein mag. In der Musik von Gioacchino Rossini kommt solches ohnedies nur sehr ambivalent zum Ausdruck.
Ein Stück zwischen den Zeiten, auch wenn das der Komponist und sein Librettist Giuseppe Luigi Balloco zur Entstehungszeit allenfalls ahnen konnten.
Ein Stück jenseits des populären Opernrepertoires. «Il viaggio a Reims – Die Reise nach Reims», erst 1951 wiederentdeckt, wird nie ein Publikumsreißer werden. Was den Charme des «heiteren Dramas in einem Akt» ausmacht, ist die musikalische Personencharakterisierung (weit über die Hälfte der Musiknummern sind Auftrittsnummern, aber was für welche) gespickt mit virtuoser Gesangsakrobatik und leidenschaftlichem Schöngesang – alles nur mit einem Zweck: maximalen Raum für den Affekt, den
Gefühlsausdruck zu ...
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Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Festivals II / Panorama, Seite 58
von Birgit Pauls
Zwischen dem Bastille-Sturm und dem Ende der Napoleonischen Kriege watete Europa in Blut. Kein Wunder, dass auf den Bühnen die Geister der Toten zurückkehrten und schuldbeladene Gewissen in Angst-Psychosen trieben. Rossinis 14. Oper, «Sigismondo», Ende 1814 entstanden und nun zur Eröffnung des 31. Rossini-Opera-Festivals in Pesaro erst zum zweiten Mal nach 1827...
Was für Zeiten, als Wunder noch blau waren und man sich auf sie verlassen konnte. Richard Wagner hat in seiner Erläuterung zum «Lohengrin»-Vorspiel von einem «blauen Himmelsäther» gesprochen, von darin schwebenden Engeln, die den Gral tragen. Enkel Wieland hat dann viel später ein Konzept aus der Farbe gemacht: «Lohengrin» als Inbegriff romantischer Sehnsucht, der...
Die Kammeroper «Pnima» war die herausragende Produktion der Münchener Biennale für Neues Musiktheater im Jahr 2000, sie wurde in der Kritikerumfrage dieser Zeitschrift zur «Uraufführung des Jahres» gewählt. Der ethisch und ästhetisch hoch riskante Versuch der 1957 geborenen israelischen Komponistin Chaya Czernowin, die Judenvernichtung durch die Nazis, genauer:...
