Apropos ... Wotan
Herr Uusitalo, bei der «Walküren»-Premiere an der Wiener Staatsoper versagte Ihnen im letzten Jahr auf offener Bühne die Stimme. Was fühlt man in so einem Moment?
Für mich war das natürlich ein ziemlicher Schock. Ich hatte geglaubt, ich könnte das schaffen, obwohl ich krank war – auch weil der Arzt mir grünes Licht gegeben hatte. Aber das war etwas zu optimistisch, und der zweite Akt war für mich ein einziges Diminuendo, bis die Stimme völlig weg war. Das lag daran, dass der Entzündungsherd im Hals ganz dicht an den Stimmbändern lag.
Hat das eigentlich Konsequenzen für die anstehende «Rheingold»-Premiere? Ist da der Druck größer?
Nein, so etwas passiert nun mal. Damit muss man leben.
Gibt es für Sie einen wesentlichen Unterschied im Charakter der beiden Wotan-Rollen?
Für mich ist der Wotan im «Rheingold» ein vitaler Mann auf der Höhe seiner Schaffenskraft, der noch alles erreichen will. Die überwiegend rezitativische Anlage der Passagen spiegelt den Zustand wider, dass noch alles im Fluss und nichts entschieden ist. In der «Walküre» hat er dagegen schon alles verloren, aber gerade das macht ihn so menschlich. Ich versuche auch, meinen Wotan nicht pompös zu singen, sondern die Wehmut in ...
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