Apropos... Klangrede
Auf der Opernbühne trifft man Sie selten an, Herr Boesch. Woran liegt’s?
Erstens bin ich ein begeisterter Familienvater. Mein eigener war Opernsänger – und viel zu selten zu Hause. Das war für mich keine Option.
Und zweitens?
Bin ich eine totale Mimose. Ich leide unter schlechtem Musiktheater mehr als irgendwer sonst, den ich kenne. Das heißt nicht, dass ich mit Oper grundsätzlich nichts anfangen kann. Ich wähle nur irrsinnig genau aus, was ich mache – und mit wem.
Mit Claus Guth arbeite ich zum Beispiel so gern, weil er die Werke ernst nimmt und zugleich gewissermaßen neu erfindet.
In erster Linie sind Sie Liedsänger. Den Job gibt’s doch eigentlich gar nicht.
Ich hab’s von langer Hand drauf angelegt. Genau wie im Theater muss man sich raufdienen. Bloß fängt man kleiner an, als die meisten sich das vorstellen können. Ich habe jahrelang sozusagen auf jedem Misthaufen einen Liederabend gegeben, wenn man mich nur gelassen hat. Oft für kein oder unfassbar wenig Geld. Es hat mich viel gekostet, an diesen Punkt zu kommen.
Nicht nur Ihr Vater Christian war Sänger, sondern auch Ihre Großmutter Ruthilde. Wann war klar, dass Sie die Familientradition fortsetzen?
Das war überhaupt nicht klar! Es ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Wiebke Roloff
So etwas habe er in 40 Jahren nicht gehört, sagt ein pensionierter Intendant nach dem Liederabend. Das Publikum scheint ähnlich zu denken und springt nach dem letzten Stück sofort von den Sitzen. Strahlende Gesichter überall. Wie beglückt schreiten die Menschen hinaus in den taghellen Frühsommerabend, stehen, schwatzen und schwärmen noch lange im Hof der...
Herr Eötvös, Sie sind 1966 als junger Mann von Budapest nach Köln gezogen, um dort zu studieren. Durch einen Zufall begegneten Sie wenige Tage nach der Ankunft Karlheinz Stockhausen. Daraus entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit, die zehn Jahre währte. Klingt dieser frühe Einfluss bis heute nach?
Ja und nein. Ich habe von Stockhausen vor allem...
Alejo Pérez suchte die Musik im Paradies. Hoch oben, wo die Fresko-Decke des Teatro Colón fast mit Händen zu greifen ist. Im «Paraíso», wie hier der höchste Rang heißt, stand Alejo als kleiner Junge an jedem nur möglichen Wochenende und blickte auf die Bühne. «Egal ob Oper oder Konzert – ich wollte dabeisein», erinnert sich Pérez, der jetzt zu den aufstrebenden...
