Apropos... Herzensbildung

Seit einem Jahr arbeitet das Team des Münchner Gärtnerplatztheaters wieder im renovierten Stammhaus. Die Vorstellungen sind nahezu ausverkauft. Sagt Intendant JOSEF ERNST KÖPPLINGER. Wie macht er das? Wir haben nachgefragt

Als Sie aus Ihrem Stammhaus ausziehen mussten, haben Sie rund 40 Prozent des Publikums verloren. Sind die alle wieder da?
Sogar mehr als vorher! Die Auslastung der letzten Spielzeit lag bei 96 Prozent. Heutzutage darf man ja froh sein, wenn die Abo-Zahlen nicht sinken. Wir haben im Vergleich zum Vorjahr jedoch eine Steigerung von sechs Prozent. Und das, obwohl wir im Opernbereich fast ausschließlich Werke des 20. und 21. Jahrhunderts zur Premiere bringen.

Der überwiegende Teil der Operetten- und Musical-Inszenierungen ist von Ihnen.

Muss am Gärtnerplatz eine einheitliche Köpplinger-Ästhetik sein?
Ich habe es nie so gesehen, dass sich mein ästhetisches Empfinden in allem spiegeln muss. Die Frage ist halt immer, wo ich an diesem Haus auch in meiner Rolle als Intendant gebraucht werde. Außerdem ist es nicht so leicht, gute Operetten-Regisseure zu finden.

Woran liegt das?
Es mangelt fast nie an der Fantasie, ein Konzept zu entwickeln. Die Sache scheitert aber gerade bei jungen Menschen oft, weil sie zu praxisfern sind. Es geht um das Verstehen und die Erfahrung, was man in fünf, sechs Wochen erreichen sollte und kann.

Operette braucht also weniger ein Konzept als vielmehr Handwerk?
Be ...

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Opernwelt November 2018
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Markus Thiel

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