Apropos... Herausforderungen
Herr Bauer Kanabas, Sie scheinen auf Könige abonniert zu sein: Sie sind Marke im «Tristan», Philipp II. in «Don Carlo», Heinrich im «Lohengrin», auch René in «Iolanta» oder Herzog Blaubart. Liegen Ihnen die Herrscher stimmlich besonders gut, oder ist das eher eine emotionale Sache?
Das trifft beides zu! Ich sehe mich als Basso cantante: Die Königsrollen brauchen Eleganz und Noblesse in der Stimme und, nicht nur bei Verdi, auch eine gewisse Italianità: einen dunklen, vollen Klang als Basis für den reichen Oberklang – chiaroscuro.
Emotional leiden diese Figuren oft an einer inneren Zerrissenheit und an Melancholie; das kommt meinem Naturell schon entgegen. Was nicht heißt, dass ich es, als Mephisto etwa, nicht auch gerne mal krachen lasse …
Haben Sie das Gefühl, jetzt stimmlich «angekommen» zu sein?
Ja, endlich! Ich habe meine Mitte gefunden. Auf dem Weg dorthin habe ich zahlreiche Einflüsse und teilweise sich widersprechende Lehrmeinungen kennengelernt. In den letzten Jahren hat sich das zu einem guten Ganzen gefügt: der deutsche Ansatz aus dem Studium; später die amerikanische Schule unangestrengten Singens, mit Offenheit und Fülle; und darauf aufbauend die Italianità meines ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Stephan Knies
Dafür, dass der Titel des neuen Stücks – «Die Mühle von Saint Pain» (englische Aussprache) – eher Leid und Schmerzen argwöhnen lässt, fängt es gar nicht so düster an im Theater Basel. Der Zuschauerraum bleibt erleuchtet. Und die fünf Figuren, die der Reihe nach erscheinen, führen derart sarkastisch-bissige Dialoge miteinander, dass man meinen könnte, eine Autorin...
Überbeschäftigt?
Zuletzt sahen wir von Regisseur Johannes Erath Gounods «Faust» und Saariahos «L'Amour de loin» in Köln sowie Verdis «La traviata» in Hamburg und Mozarts «Le nozze di Figaro» in Dresden. Doch: Lebt es sich als viel gefragter Künstler gut «aus dem Koffer»? Und wie martert man sich wirklich treffende Regie-Ideen entlang der Stoffe mehrmals im Jahr aus...
Die Verwirrungen der Liebe, sie sind enorm in diesem Stück. Doch der moralische Kommentar der Autoren bleibt aus. Nur der kleine Satyr kommentiert das Geschehen mit verschmitzter Außensicht: «Pazzi quei, ch’in Amor credono». Sind nicht all jene, die Amor vertrauen, Verrückte? Vermutlich schon. Und insbesondere die Frauen bekommen ihr Fett ab. «Così fan tutte» wird...
