Apropos ... Frühling

Als Wagner-Tenor ist René Kollo Legende. Doch der 72-Jährige gehört noch lange nicht zum alten Eisen. Gerade wurde er in Baden-Baden und München als Ägisth gefeiert. Nun wagt er sich an der Kölner Oper sogar an eine neue Rolle: In Peter Eötvös’ Opera

Opernwelt - Logo

Herr Kollo, mit 72 Jahren trauen Sie sich noch an ein Rollendebüt in einer zeitgenössischen Oper heran. Respekt!
Ich mag die Musik von Peter Eötvös. Ich bin sicher kein Experte für zeitgenössische Musik und würde nicht unbedingt in einer Stockhausen-Oper singen wollen. Aber die Figuren in «Love and other Demons» haben etwas Berührendes, ein Geheimnis, das sie interessant macht. Und die Musik klingt für mein Ohr oft sehr eingängig. Den Anfang finde ich sogar ein bisschen genial.


Ähnelt die Rolle des Don Ygnacio dem Ägisth in «Elektra», mit dem Sie gerade unter Christian Thielemann abgeräumt haben?
Ygnacio ist zwar länger, aber beide Rollen sind sehr exponiert und hoch geschrieben. Das bedient sozusagen dieselbe Tastatur. Aber mein Erfolg in Baden-Baden hängt vielleicht auch mit einem Überraschungseffekt zusammen – die Leute hatten mich gar nicht mehr auf der Rechnung. Dabei geht es mir blendend, und auch die Stimme ist prima in Form!

Das heißt, Sie starten jetzt mit Rollen wie Herodes oder dem Kaiser in Turandot noch mal richtig durch?
Den Herodes singe ich zwar schon länger, will mich aber nicht auf solche Altherrenrollen beschränken. Ich fühle mich ja auch gar nicht als alter Herr, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2010
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das Kreuz mit der puritanischen Tradition

Die «Vereinigten Staaten» existierten offiziell noch gar nicht, da verstand sich Neu-Englands Metropole Boston schon als Kulturhauptstadt. Nicht nur schlossen sich zahlreiche lokale Universitäten der dortigen, 1636 gegründeten Harvard University an; die Stadt brachte überdies eine genuin amerikanische Literatur und Philosophie hervor und begründete die...

Die Hölle, das sind die ­anderen

Die «Freischütz»-Version mit vertonten Sprechtexten, die Hector Berlioz 1841, den Gesetzen der Pariser Grand Opéra gehorchend, schrieb, litt unter Richard Wagners Verdikt, sie sei «entstellend und langweilig». Vereinzelte Versuche, sie im deutschen Sprachraum zu etablieren – zuletzt 1997 in Dortmund – fanden eine eher ungnädige Aufnahme.

Die aktuelle in Trier legt...

Ein Versprechen

Es ist verlockend, die «Lieder eines Jahres» mit «Night and Dreams», dem vor Kurzem erschienenen Recital ihrer Fachkollegin Measha Brueggergosman, zu vergleichen. Während die Kanadierin über üppige stimmliche Mittel verfügt, mit ihnen aber nicht genug anfängt, ist es bei Christiane Karg genau andersherum: Das Farbspektrum ihres leichten Soprans ist noch begrenzt,...