Alte Meister
Eigentlich müsste Aribert Reimanns 1971 in Schwetzingen uraufgeführte Öko-Oper «Melusine» nach der surrealistischen Märchen-Tragikomödie Yvan Golls ein Repertoirewerk sein wie der Welterfolg «Lear». Das Sujet, die Zerstörung der «weiblichen» Natur durch «männliche» Ratio, lässt sich aktueller nicht denken. Die Musik ist dramatisch wirkungsvoll, von geheimnisvollem Natur- und schrägem Märchenzauber, oft deskriptiv wie in den gern verwendeten Ostinato-Motiven für dräuend Schicksalhaftes oder in dem finalen Schloss- = Weltenbrand mit kommentierenden Zuschauern.
Vor allem ist diese Musik leicht verständlich. Sie meidet Über-Komplexität und setzt wie das nur leicht ver-rückte, im Grunde aber gradlinig durcherzählte Libretto auf «clarté» sowohl im lichten, oft solistisch geführten Kammerorchestersatz (33 Musiker) wie auch in der einfachen Formensprache. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass Peter Hirsch die Nürnberger Philharmoniker in dem vorliegenden Live-Mitschnitt der Premiere am Nürnberger Staatstheater vom 12. Mai 2007 (siehe OW 7/2007) zu einem nahezu schwerelosen Spiel animierte und die Strukturelemente prägnant herausarbeitete. Auch in puncto Klangzauber leisten die ...
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Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Medien | CDs und DVDs, Seite 43
von Boris Kehrmann
In Berlin verstarb der Bühnenbildner Reinhart Zimmermann, jahrzehntelang Ausstattungsleiter der Komischen Oper als Nachfolger Rudolf Heinrichs, dessen Assistent er gewesen war. Er hat unser
Musiktheater wesentlich mitgeprägt, in Zusammenarbeit mit Walter Felsenstein, Götz Friedrich, Michael Heinicke, Harry Kupfer, mir und anderen.
Als Rudolf Heinrich uns nach der...
Herr Cura, Sie haben den Samson in etlichen Inszenierungen gesungen. Nun führen Sie selbst Regie – weil Sie es besser können?
So etwas denkt man als Teenager, aber nicht, wenn man auf die Fünfzig zugeht. Aber natürlich kenne ich in dem Stück jedes Wort und jede Note – nicht nur meine eigene Rolle, sondern wirklich alles. Und ich weiß vor allem um die besonderen...
Bei einem Darmstädter Vortrag dachte Theodor W. Adorno 1961 darüber nach, was künstlerische Utopie bedeutet. Seine Antwort: Dinge machen, von denen man nicht weiß, was sie sind. Man kann diese Maxime und den Anspruch, der sich mit ihr verbindet, als Einspruch lesen. Ist es nicht so, dass – auch und gerade in der Kunst – meist Dinge gemacht werden, von denen man...
