Alles ist Ausdruck
Mittlerweile ist aus dem hoffnungsvollen Nachwuchssänger einer der gefragtesten Countertenöre unserer Zeit geworden, und ein Album mit Mozart-Arien, Ende 2013 im Rahmen der Grazer Styriarte entstanden, bestätigt Valer Sabadus’ Ausnahmerang. Mozarts Musik vermag seiner Stimme sogar noch mehr Nuancen, noch mehr Farben zu entlocken als die barocker Meister wie Hasse, Pergolesi oder Purcell, die im Zentrum früherer Aufnahmen stand.
«Countertenor» ist zwar die gängige Bezeichnung für Sänger, die im Falsett singen, doch haftet diesem Begriff eine historisch gewachsene Bedeutung an, die nicht so recht zu Valer Sabadus passt. Der Begriff bezeichnet in der englischen Musik seit der Zeit Henry Purcells männliche Altisten. Alfred Deller adaptierte die Bezeichnung im Rückbezug auf Purcell, Generationen von Sängern folgten ihm darin und etablierten das Bild vom Countertenor als einem falsettierenden Sänger in Altlage. Valer Sabadus aber singt eine Etage höher; seine Stimme entfaltet sich am besten in der Mezzosopranlage. Mühelos und mit berückender Klangschönheit steigt sie bis zum hohen G, das hohe A spricht auch noch sehr gut an, wenn es vorsichtig genommen wird. Einige wenige besonders hoch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Thomas Seedorf
Seit sechs Jahrzehnten gibt es für die Hauptwerke der französischen Oper des 19. Jahrhunderts keine rein muttersprachlichen Ensembles mehr, stellt Jürgen Kesting im Booklet zu Piotr Beczalas «The French Collection» fest. Wo aber «nurmehr eine Versammlung polyglotter Sänger» Gounod, Massenet und Bizet interpretiere, beklagt der Stimmspezialist, gingen «die Merkmale...
Niccolò Jommelli mag ein dicklicher Plumpsack gewesen sein, zudem streitbar und unermüdlich schnell beim Komponieren, doch er war ohne Zweifel auch einer der wichtigsten Komponisten seiner Zeit. Sechzehn Jahre, von 1754 bis 1769, belieferte er den württembergischen Hof von Carl Eugen mit neuen Opern. Dass Leopold Mozart mit seinem Filius an diesem Hof nicht so...
Stanislaw Lem sah die vielen Bearbeitungen seines Sci-Fi-Romans «Solaris» von 1961 mit Skepsis. «Alles Interessante an meinem Roman bezog sich auf das Verhältnis der Menschen zu diesem Ozean als einer nicht-humanoiden Intelligenz – nicht auf irgendwelche zwischenmenschlichen Liebesgeschichten», bemerkte er 2001 zu Steven Soderberghs Verfilmung. Selbst Tarkowskis...
