Alles easy, Franz
Das Vorbild ist übermächtig. Nichts Geringeres als Hans Zenders Übermalung der «Winterreise» wird im Booklet-Text angeführt und zugleich konstatiert: Mit der «Schönen Müllerin» habe keiner Vergleichbares gewagt. Wagemut und Chuzpe sprechen daraus – Andreas N. Tarkmann, Komponist und Arrangeur, hat sich selbst die Messlatte (zu?) hoch gelegt. Dabei ist das Vorhaben prinzipiell apart. Mit der Besetzung von Franz Schuberts Oktett soll für den Liederzyklus nicht nur ein buntes Klangkleid geschneidert werden, vielmehr will Tarkmann die 20 Stücke weiterführen und -denken.
Der Initiator dieser Neufassung hat inzwischen den Schritt zum schweren Tenorhelden getan. Und das Bemerkenswerteste an dieser Einspielung ist, wie sehr Klaus Florian Vogt die Stimme weiterhin im Leisen, Lyrischen, Intimen gehorcht. Sie springt sofort an, segelt unverspannt durch alle Register und bewegt sich in diesen Miniaturen, als sei’s ein Spaziergang. Etwas Unverbrauchtes, Frisches klingt daraus, das dem Müllersburschen gut ansteht – zumindest im ersten Teil seiner Reise. Stark ist Vogt, wo er in hohem Tempo und mit glasklarer Diktion den natürlichen Erzähler gibt, etwa in «Ungeduld». Doch in jenen Liedern, mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 35
von Markus Thiel
Es ist kaum zu glauben. Wer das Stück in der phänomenalen Produktion des Opernhauses Zürich erlebt, könnte es für eine Schöpfung unserer Tage halten. Tatsächlich aber stammt «Amerika» von Roman Haubenstock-Ramati aus den Jahren 1962 bis 1964 – dass das Werk bei seiner Uraufführung an der Deutschen Oper Berlin, deren Intendant Gustav Rudolf Sellner es in Auftrag...
Turandot war sein Schicksal. Nicht aber die eisgekühlte Prinzessin dieses Namens, sondern Giacomo Puccinis unvollendete Oper. Mit ihrer Vervollständigung wurde Franco Alfano nach dem Tod des Komponistenkol -legen 1924 beauftragt, allein, großes Glück war ihm nicht beschieden. Seine erste Version (nach Skizzen Puccinis) fegte der Uraufführungsdirigent Arturo...
JUBILARE
Felicity Palmer studierte an der Londoner Guildhall School of Music and Drama sowie in München, bevor sie das erste weibliche Ensemblemitglied der King’s Singers wurde. Ihr Bühnendebüt gab die Mezzosopranistin 1971 als Dido in Purcells «Dido and Aeneas» an der Kent Opera, zwei Jahre später folgte ihr erster Auftritt in den USA in «Le nozze di Figaro». Vor...
