Alles easy, Franz
Das Vorbild ist übermächtig. Nichts Geringeres als Hans Zenders Übermalung der «Winterreise» wird im Booklet-Text angeführt und zugleich konstatiert: Mit der «Schönen Müllerin» habe keiner Vergleichbares gewagt. Wagemut und Chuzpe sprechen daraus – Andreas N. Tarkmann, Komponist und Arrangeur, hat sich selbst die Messlatte (zu?) hoch gelegt. Dabei ist das Vorhaben prinzipiell apart. Mit der Besetzung von Franz Schuberts Oktett soll für den Liederzyklus nicht nur ein buntes Klangkleid geschneidert werden, vielmehr will Tarkmann die 20 Stücke weiterführen und -denken.
Der Initiator dieser Neufassung hat inzwischen den Schritt zum schweren Tenorhelden getan. Und das Bemerkenswerteste an dieser Einspielung ist, wie sehr Klaus Florian Vogt die Stimme weiterhin im Leisen, Lyrischen, Intimen gehorcht. Sie springt sofort an, segelt unverspannt durch alle Register und bewegt sich in diesen Miniaturen, als sei’s ein Spaziergang. Etwas Unverbrauchtes, Frisches klingt daraus, das dem Müllersburschen gut ansteht – zumindest im ersten Teil seiner Reise. Stark ist Vogt, wo er in hohem Tempo und mit glasklarer Diktion den natürlichen Erzähler gibt, etwa in «Ungeduld». Doch in jenen Liedern, mit ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 35
von Markus Thiel
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten P = Premiere UA = Uraufführung
DEUTSCHLAND
Aachen Theater Aachen
www.theateraachen.de
- Bizet, Carmen: 3.
- Rossini, Il viaggio a Reims: 7., 13.
- Mozart, Zaïde (Fragment)/Czernowin, Adama: 27. (P) ML: Chung/Groß, I+B: Bar-zvi, K: Santos
Altenburg/Gera Theater Altenburg...
Schon Hermann Bahr wusste es: «Was zieht im Theater? Was den Frauen gefällt. Was gefällt den Frauen? Was von ihrer Sache handelt. Was ist ihre Sache? Was sie Liebe nennen.» Zwar galt die ätzende Bemerkung des Schriftstellers und Kritikers der Komödie «Candida» von George Bernard Shaw, doch darf man sie durchaus auch auf die Operette beziehen, als aphoristisches...
Dass sie sich zu wenig auf die gegenwärtige Wirklichkeit einlassen, wirft man den Stoffen aktueller Opern mit Recht vor. Aber das gilt nicht für die Stücke, die für Jugendliche geschrieben und komponiert werden. Manch älterem Zuschauer rauchte gewiss der Kopf über das, was an bunten, grell-poppigen Bildern und Klängen pausenlos auf ihn einstürmte bei der...
