Ästhetik des Unverbindlichen
Inwieweit Carl Eberts Mozart-Inszenierungen, mit denen die Festspiele in Glyndebourne in den dreißiger Jahren eingeleitet und schlagartig berühmt wurden, einem kritischen Blick von heute standhalten würden, lässt sich aus Mangel an Filmdokumenten nicht sagen. Doch dass die musikalischen Interpretationen Fritz Buschs über Jahrzehnte ihren maßstäblichen Charakter behalten haben, belegen allein ihre ständigen Neuauflagen auf CD. Glyndebourne lebt bis heute vom Nimbus dieser großen Pionierzeit. Fünf Produktionen aus den siebziger Jahren hat Arthaus jetzt als DVD neu herausgebracht.
Sie sind nicht dazu angetan, diesen Nimbus in irgendeiner Weise zu bestätigen.
Bei «Le nozze di Figaro» und «Così fan tutte» steht John Pritchard am Pult, der Buschs Assistent in Glyndebourne war, und seine dramatisch durchpulsten Dirigate, denen es ein bisschen am feineren Humor fehlt, beschwören die große Zeit momentweise herauf. Doch was sich auf der Szene tut, geht nicht über das hinaus, was man in jedem mittleren Stadttheater erwarten kann. Manchmal gewinnt man den Eindruck, die Regisseure hatten gar keine Lust, sich für eine Klientel der Besserverdienenden in geistige Unkosten zu stürzen.
Was ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Austausch von Opernproduktionen ist ein Phänomen, das immer weitere Kreise zieht, aber nur selten thematisiert wird. Für die einen (wie Stephane Lissner, den Intendanten von Aix-en-Provence und der Scala) verbindet sich damit eine Sicherung der Zukunft; für andere (wie den Stuttgarter Opernchef Klaus Zehelein) droht das Gespenst der Gesichtslosigkeit. Von den...
Rossini hat ihn, unwillentlich, sein ganzes Leben lang verfolgt und schließlich aus dem Gedächtnis der Nachwelt verdrängt. Heute ist Carlo Coccia (1782-1873) allenfalls noch eine Fußnote der Operngeschichte. Dabei war der aus Neapel stammende Schüler Giovanni Paisiellos eine Zeit lang außerordentlich erfolgreich. Seine 1815 in Venedig uraufgeführte «Clotilde» hielt...
Von den Protesten, die der Bayreuther «Ring»-Produktion 1976 entgegenschlugen, können sich viele, die nicht dabei waren, heute kaum noch eine Vorstellung machen. Dass grimmig blickende Menschen mit Transparenten um das Festspielhaus liefen, auf denen, groß und ernst gemeint, ein Alberich-Zitat stand, war dabei noch das Geringste: «Verflucht sei dieser ‹Ring›»....
