Ästhetik des Unverbindlichen
Inwieweit Carl Eberts Mozart-Inszenierungen, mit denen die Festspiele in Glyndebourne in den dreißiger Jahren eingeleitet und schlagartig berühmt wurden, einem kritischen Blick von heute standhalten würden, lässt sich aus Mangel an Filmdokumenten nicht sagen. Doch dass die musikalischen Interpretationen Fritz Buschs über Jahrzehnte ihren maßstäblichen Charakter behalten haben, belegen allein ihre ständigen Neuauflagen auf CD. Glyndebourne lebt bis heute vom Nimbus dieser großen Pionierzeit. Fünf Produktionen aus den siebziger Jahren hat Arthaus jetzt als DVD neu herausgebracht.
Sie sind nicht dazu angetan, diesen Nimbus in irgendeiner Weise zu bestätigen.
Bei «Le nozze di Figaro» und «Così fan tutte» steht John Pritchard am Pult, der Buschs Assistent in Glyndebourne war, und seine dramatisch durchpulsten Dirigate, denen es ein bisschen am feineren Humor fehlt, beschwören die große Zeit momentweise herauf. Doch was sich auf der Szene tut, geht nicht über das hinaus, was man in jedem mittleren Stadttheater erwarten kann. Manchmal gewinnt man den Eindruck, die Regisseure hatten gar keine Lust, sich für eine Klientel der Besserverdienenden in geistige Unkosten zu stürzen.
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