Kristalline Schönheit

Hans Abrahamsen hat an der Königlichen Oper Kopenhagen seine erste Oper vorgestellt: «Die Schneekönigin» nach Hans Chrisitan Andersen

Dass er für seine erste Oper als Sujet das längste, rätselhafteste Märchen seines Landsmannes Hans Christian Andersen wählte, lag irgendwie auf der Hand. Diese wunderliche Winterreise zweier Kinder, die in ein Fabelreich aus Eis und Schnee führt, mit sprechenden Pflanzen und Tieren, einer Zauberin, Prinz und Prinzessin. Diese in einfachen Sätzen geronnene Allegorie auf den Kreislauf von Werden und Vergehen, Leben und Tod und den unstillbaren Wunsch, festzuhalten, was nicht zu greifen ist.

Schon immer hat sich Hans Abrahamsen für Kaltzonen interessiert, seine Fantasie an gefrorenen Aggregatzuständen entzündet. «Winternacht» heißt ein Ende der 1970er-Jahre entstandenes Instrumentalstück des dänischen Komponisten, «Schnee» eine flirrende, aus zehn Kanons gefügte Kammermusik (2008). Und das langsame, irisierende Finale des Monodrams «let me tell you» für Sopran und Orchester (2013) klingt in einem Schneetreiben aus, das alle Konturen und Kontraste tilgt. Die Welt als unbeschriebenes Blatt, Tabula rasa; die Nichtfarbe Weiß als Medium des Flüchtigen, Unberührten, Unschuldigen.

Wie aus dem Nichts, pianissimo hebt das Vorspiel zu «Snedronningen» an, der dreiaktigen «Schneekönigin», deren ...

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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Albrecht Thiemann