Bhagwans Arkadien

Zürich, Haydn: La fedeltà premiata

Haydn auf der Opernbühne – auch im Jubiläumsjahr ist das die Ausnahme. Die Zürcher Oper kann sich rühmen, sein heiteres Pastoraldrama «La fedeltà premiata» aus der Eszterházy-Zeit immerhin schon einmal, 1975, zehn Jahre nach der ersten Edition, auf die Bretter gebracht zu haben: damals in Szene gesetzt vom großen Jean-Pierre Ponnelle, als Schäferspiel im Ambiente des 18. Jahrhunderts. Bald 35 Jahre später ist der Zugriff auf die Handlung nicht leichter geworden, das arkadische Musiktheater nach Giovanni Battista Lorenzi lässt sich im Grunde gar nicht richtig erzählen.

Ein Priester der Göttin Diana, um ihn herum viele amouröse Verwicklungen und ein merkwürdiges Verdikt: Einander treu Liebende müssen einem Ungeheuer geopfert werden, bis, ja bis ein Wunder dem Ganzen ein Ende bereitet. Hmm... Nur zum Vergleich: Mozart schrieb zur gleichen Zeit an seinem «Idomeneo» und wenig später die «Entführung aus dem Serail».
Und doch ist es wie so oft bei Haydn: Das Geniale springt einen nicht gleich an, man muss ihm schon nachspüren. Jens-Daniel Herzog hat eine geradezu verblüffend logische Übersetzung gefunden. Die bukolische Scheinidylle entspricht einer Sektenwelt der 1970er Jahre, der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2009
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Alexander Dick

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sogkraft, Süffiges und Seichtes

Das letzte Jubiläum hatte es in sich. Als vor knapp einem halben Jahrhundert der 300. Geburtstag Georg Friedrich Händels gefeiert wurde, herrschte Aufbruchstimmung bei Opernhäusern, Interpreten und Schallplattenproduzenten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Händels Opern auf den Spielplänen lediglich Randrepertoire, etliche Bühnenwerke des Komponisten lagen zudem...

Starttheater für den Markt

In der stattlichen Diskografie von Puccinis «Madama Butterfly» nehmen die Produktionen der EMI vordere Plätze ein. Fast unerreicht in ihrem unsentimentalen, fast schroffen Habitus ist Gianandrea Gavazzenis Mono-Einspielung von 1954 mit Victoria de los Angeles und Giuseppe di Stefano. Herbert von Karajans klangsinnlichere Version aus dem folgenden Jahr, mit Maria...

Verspielt

Im Musiktheater unserer Tage wird gern die kritische Philosophie als Stichwortgeber bemüht. Von Adorno bis zu Peter Sloterdijk und von Horkheimer bis zu Giorgio Agamben reicht die Palette der Vordenker, deren Analysen zum schlechten Stand der Welt die (im Programmheft mitgelieferte) Folie für manche Regiearbeit bilden, die eine radikale Neubefragung, wenn nicht...