Das ersetzte Tischbein
Amadeus, der grelle Faun, beim Billardspielen komponierend, den Damen keck unter die Röcke greifend: Tom Hulce hat ihn bei Milos Forman so dargestellt. Solch triviale Popularität, die Mozart sich vermutlich nicht gewünscht hätte, hat Joseph Haydn nie erreicht, und so ist das diesjährige Jubiläum des Komponisten (zur 200. Wiederkehr seines Todestages) auch weit weniger von Hype begleitet wie das Mozart-Jahr vor drei Jahren. Haydn-Würstchen oder -Biere bleiben uns erspart; andererseits bringt das Gedenkjahr lange an den Rand gedrängte Werke erneut ins Bewusstsein.
Beispielsweise Haydns 1770 zur Hochzeit einer Nichte Fürst Nikolaus Esterházys uraufgeführte musikalische Komödie «Le pescatrici» («Die Fischerinnen») nach Carlo Goldoni – ein erotisches Verwechslungsspiel nicht unähnlich jenem von Händels gerade im Theater an der Wien präsentierter «Partenope» (siehe Seite 8), doch weit harmloser. Die Oper ist nur als Fragment vorhanden; das Originalmaterial wurde möglicherweise beim Brand des Esterházer Schlosstheaters 1779 vernichtet.
In der nun an der Wiener Kammeroper benutzten, aus den 1960er Jahren stammenden Fassung des Werks haben der Haydn-Spezialist H. C. Robbins Landon und der ...
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«Was für ein abscheulicher Stoff, nicht ein gutes oder edles Gefühl darin!» So charakterisierte Alexander Puschkin die Geschichte vom ukrainischen Kosaken-Hetman Iwan Mazeppa, die zur Grundlage seines großen Versepos «Poltawa» wurde. In der Tat: Mazeppa, der schon zur Zeit Peters des Großen eine unabhängige Ukraine anstrebte, ist eine zwielichtige Figur. Im Großen...
Ulrich Schreiber nennt sie den «wichtigsten Beitrag Frankreichs zur veristischen Opernbewegung». Der gute alte Kloiber hatte schon Jahrzehnte zuvor die «fast surrealistisch überhöhten» Milieuschilderungen in Gustave Charpentiers «Louise» hervorgehoben. Eben diesen Weg, den vor kurzem Christof Loy in Duisburg (siehe OW 11/2008) gegangen war, wählt jetzt auch...
Im Zuge der durch Maria Callas angestoßenen Wiederentdeckung von Bellini brachte die Met 1963 eine unverblümt altmodische Produktion von «La sonnambula» mit Joan Sutherland heraus. Die letzte Serie (November 1972) war mit Renata Scotto und Nicolai Gedda besetzt. Seitdem gab es in New York nur noch konzertante Aufführungen, zuletzt im Februar 2008 – eine vorzügliche...
