Biedere Anzüglichkeit

Bonn, Adès: Powder her Face

Ob dieses Stück seit seiner Uraufführung 1995 wirklich bereits fünfzig Neuinszenierungen erlebt hat, wie gesagt wird? Denkbar wäre es schon. «Powder her Face» hat alles, was eine neue Oper braucht, um in die Stadttheater zu drängen. Einen schnellen, nachvollziehbaren Plot, etwas Humor, etwas Tragödie, etwas Wahrheit, brillante Gesangspartien, wenig Irritationen und für die Regie die Chance zu ein paar Anzüglichkeiten, inklusive zweier auskomponierter Koitusse.


Verlockt hat das nun auch die Bonner Oper, die sich mit ihrer verdienten Reihe «bonn chance» längst mit dem Rücken an der Wand sieht: Die drastischen Budgetkürzungen, die kamen und noch kommen, drücken in die Defensive. Während man im Großen Haus das altbekannte Kernrepertoire unter Besitzstandswahrung nimmt, darf das wenige, das außerhalb überhaupt noch produziert werden kann, partout nicht mehr floppen. Für eine Reihe, die sich das «experimentelle Musik­theater» auf die Fahnen geschrieben hat, eine denkbar schlechte und die Idee vom «Experiment» schlichtweg sabotierende Lage.
«Powder her Face» also hält die Spielregeln ein, und Bonn gewinnt – am Premierenabend zumindest – den Bei­fall des Publikums. Worum geht's? Der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Raoul Mörchen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Drei tolle Tage

Figaro› wird von Musik-Kennern am meisten geschätzt. An Gedanken-Reichtum gleicht er dem ‹Idomeneo›, an Originalität weicht er keiner anderen». So wusste es vor mehr als zweihundert Jahren Franz Xaver Niemetschek, Augenzeuge der enthusias­tisch aufgenommenen Prager Erstaufführung der Oper. Ganz falsch ist das Urteil des ersten Mozart-Biografen auch heute nicht....

Weber: Der Freischütz

Ein Krisensymptom. Das ist die einzige Bedeutung dieser Aufführung. Nach seiner Total-Havarie mit «Arabella» hält sich Alexander von Pfeil, der Chefregisseur der Deutschen Oper, diesmal interpretatorisch zurück. Ergebnis: Nicht nur er selbst, sondern auch Chor, Dirigent und sein Ausstattungsteam werden durch Buhstürme von der Bühne gefegt. Respekt gegenüber dem...

Illusionismus, nein danke

Dass das Liebesleben des nicht nur vor Liebe trunkenen Dichters Hoffmann viele Irrungen und Wirrungen kennt, das wissen wir aus Jacques Offenbachs Oper «Les Contes d’Hoffmann». Schließlich verguckt sich der Titelheld in eine aufziehbare Puppe, in eine (un)bezahlbare Kurtisane und in eine Sängerin, die sich nicht entscheiden kann zwischen ihrer Liebe zum Mann und...