Kämpfertyp

Dieser Mann nimmt kein Blatt vor den Mund. Ein Gespräch mit dem Tenor Wolfgang Ablinger-Sperrhacke über Singen in Krisenzeiten, notwendiges politisches Denken und die enormen Chancen der Kulturindustrie

Herr Ablinger-Sperrhacke,wie viel Spaß macht es Ihnen, vor nur 500 Menschen statt vor 2100 aufzutreten?
Singen macht natürlich immer Spaß. In Österreich und in der Schweiz sind die Besucherregelungen gottlob anders als zum Beispiel in Bayern. Ich habe mich während des Lockdowns in meiner Heimat Österreich politisch sehr betätigt mit einer Handvoll freischaffenden Sängern und einem Anwalt. Dadurch glückten tolle politische Weichenstellungen, ohne die zum Beispiel die Salzburger Festspiele nicht möglich gewesen wären.

Zu Beginn des Lockdowns hatten wir in Österreich einen Bundeskanzler, der das Wort Kultur gar nicht in den Mund nahm. Wie in Deutschland wurde die Kultur in den vergangenen Jahren politisch marginalisiert. Wir haben darauf hingewiesen, dass es nicht sein kann, dass ein Saal bei einer Gastronomienutzung das Vierfache an Gästen im Vergleich zur Kulturnutzung aufnehmen darf. Ich habe immer wieder auf die verfassungsrechtlich garantierte Kunstfreiheit gepocht. Wo Gastronomie und der Flugverkehr derart anders behandelt werden im Vergleich zum Kulturbereich, gibt es ein deutliches verfassungsrechtliches Problem. Ich halte im Übrigen den Besuch eines Opernhauses für sicherer ...

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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Markus Thiel

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