Visionär und Therapeut

Beethoven 250: Wie Bonner Musiker den Komponisten mit kolumbianischen Jugendlichen neu für sich entdecken und seine Geburtsstadt das Jubiläumsjahr einläutet

Für 16 Musiker des Bonner Beethoven Orchesters schien es eine gewöhnliche Dienstreise zu werden, als sie im April zusammen mit ihrem Chef, Generalmusikdirektor Dirk Kaftan, in die kolumbianische Stadt Medellín flogen. Doch es wurde eine Reise tief in die Vergangenheit und Gegenwart einer Metropole, die von extremer Gewalt heimgesucht wird, zu den gefährlichsten Städten der Welt zählt und trotz aller Friedensvereinbarungen noch immer unter den Folgen jahrzehntelanger, unentwirrbarer Konflikte leidet.

Und es wurde ein unerwartet aufregender Trip in das Innenleben von Beethovens Fünfter Symphonie.

Die «Ciudad Don Bosco» in Medellín ist ein Zufluchtsort für traumatisierte Jugendliche, die zu Waisen und Straßenkindern wurden, als Soldaten und Kanonenfutter missbraucht. In der Einrichtung werden sie betreut und therapiert, erhalten Schul- und Berufsbildung. Es war ein Zusammentreffen glücklicher Umstände, das die Bonner Musiker auf der Suche nach einer eigenen Deutung von Beethovens vielgespielter Fünfter in dieses Refugium führte. Schon nach dem markanten Ta-ta-ta-taa zu Beginn des ersten Satzes wirken die Jungen und Mädchen, die bis dahin weder etwas von Beethoven noch von einer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Josef Oehrlein

Weitere Beiträge
Kurswechsel

Als Zeitreise durch die Aufführungsgeschichte des «Fidelio» hatte Paul-Georg Dittrich Beethovens Befreiungsdrama 2018 am Theater Bremen auf die Bühne gebracht. Acht historische Inszenierungen ließen der Regisseur und die Bühnenbildnerin Lena Schmid in einem musealen Guckkasten wiederauferstehen. Von der Wiener Uraufführung (1814) spannte sich der Bilderbogen über...

Nur die Musik glüht

Wie Schillers Schauspiel ist auch Verdis «Don Carlos» ein Liebes- und Familiendrama in den Dimensionen einer politischen Tragödie. Christof Hetzers Bühne für die Stuttgarter Neuinszenierung zeigt einen leeren, nach allen drei Seiten abgeschlossenen Raum, den der Lichtgestalter Alex Brok oft in ein diffus glimmendes Dunkel hüllt. Dominiert und strukturiert wird er...

Neue Bahnen

«Le Villi» sind rare Gäste auf der Bühne, zuletzt in Budapest im Frühjahr 2019. Die ursprüngliche, 1883 komponierte Fassung dieser ersten Oper Puccinis kannte man bisher nur aus dem Überblick in Dieter Schicklings Werkverzeichnis. Deren Titel «Le Willis» weist noch in der Verwendung des dem Italienischen fremden «W» darauf, dass es um Fantastisches aus dem nebligen...