Priesterin und Streunerin: Sondra Radvanovsky (Norma) und Joyce DiDonato (Adalgisa); Foto: Met/Ken Howard

Hinreißend ausgelotet

Bellini: Norma New York | Metropolitan Opera

Seit dem Umzug ins Lincoln Center 1966 hat die Met erst zwei «Normas» herausgebracht (1970 und 2001) – in Sachen Düsternis und Unbeweglichkeit stand die eine der anderen nicht nach. Jetzt hat David McVicar einen neuen Versuch unternommen. Die Bühne zeigt ein waldig-nebliges Gallien, das nach «Game of Thrones» aussieht. Das erste Bild ließe sich auch als Caspar David Friedrich-Version von Hernes Eiche beschreiben. Licht ins Dämmerdunkel bringt Paule Constable mit einigen einfallsreichen Einstellungen. So weit, so konventionell.

Statisch geht es im Gegensatz zu den Vorgänger-Produktionen allerdings ganz und gar nicht zu – im Gegenteil: Immer wieder stört plumpe Betriebsamkeit die Massenszenen. Norma (ebenso wie die verblüffend präsente Adalgisa) muss sich in der Auftrittsszene am Boden winden. Dass McVicar Gefallen an knapp bekleideten Statisten findet, weiß man hinlänglich aus seinen Arbeiten. Aber müssen sie ausgerechnet zum zarten (und wunderbar gesungenen) Terzett «Qual cor tradisti» Planken auf die Bühne wuchten?

Derlei ärgert. Doch auf eins versteht sich der Regisseur hervorragend: das feinfühlige Ausloten der menschlichen Beziehungen im zentralen Liebesdreieck. Mit den ...

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Opernwelt November 2017
Rubrik: Panorama, Seite 54
von David Shengold

Vergriffen
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Commercial

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Im Rausch

Während die Musik gleich zu Beginn ins Taumeln gerät, entbirgt die Bühne ein Karussell, das überdies quasi ein Kind bekommt, ein Modell in verkleinertem Maßstab an der Rampe vorne links. Das Programmbuch hatte uns dazu unter anderem Rilkes «Jardin du Luxembourg» suggeriert. Wir könnten freilich auch Wiener Praterkolorit beschwören, H. C. Artmann etwa: «I bin a...

Apropos... Mozart

Frau Müller,  wenn ich Sie nachts um vier bitten würde, «Ach, ich fühl’s, es ist entschwunden» zu singen, was würden Sie sagen?
Ich würde es machen – wenn ich mich 20 Minuten einsingen darf. Es ist gut, wenn man nicht mit einer völlig ausgeruhten Stimme beginnt.

Singt sich Mozart auf der Bühne leichter, wenn man vom Lied kommt?
Ich denke schon. Man muss sich, seine...