Spiegelbilder

Ab und an gehen Bühnen- und Gesellschaftstanz Hand in Hand. Doch warum gerät ein Walzer ins Rampenlicht, und was haben Foxtrott oder Tango dort verloren? Die Beziehung zwischen Kunst und Vergnügungskultur.

Gesellschaftstanz – ein alter Zopf?
Von wegen! Wir stimmen Sie mit einem klassischen Theaterausflug auf die neue Serie ein. Und in den nächsten Monaten besuchen wir Ballsäle, Tanzschulen und Turniere, wir unterhalten uns mit Wertungsrichtern und Lehrerdynastien – und erzählen vom queeren Amüsement beim Tanztee.



Wenn Guy Vandromme in Raimund Hoghes jüngster Produktion auf dem linkerhand platzierten Konzertflügel die ersten Akkorde von Ravels titelgebendem «La Valse» anschlägt, werden durch großzügige Pedalisierungen in den tiefen Registern und perlende Arpeggios in den hohen Lagen fulminante Orchesterklänge beschworen. Währenddessen liegt Hoghe rechts hinten auf der Bühne, das Gesicht ab- und den Rücken dem Publikum zugewandt: Verloren in der Weite des Raums, stumm und reglos, scheinbar leblos kontrastiert sein Körper die Klangmassen, die eine sich im Walzertaumel verlierende Tanzgesellschaft suggerieren. Trotz oder gerade wegen dieser Anmutung lehnte einst Serge Diaghilew, der die Komposition für seine Ballets russes in Auftrag gegeben hatte, eine (herkömmliche) tänzerische Umsetzung ab. Seiner Meinung nach hatte Ravel nicht die Vorlage für ein Ballett, sondern allein dessen – ...

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Tanz April 2017
Rubrik: Serie: Gesellschaftstanz, Seite 64
von Stephanie Schroedter