Die unbequeme Vielfalt

Nur nicht die Nerven verlieren: Über Zaimoglu/Senkels «Schwarze Jungfrauen», jugendkulturellen Islam und die schwierige Notwendigkeit, Integrationsdebatten ideologiefrei zu führen

Vorab die gute Nachricht. Wir befinden uns nicht in einem «Krieg der Kulturen». Jedenfalls nicht in einem zwischen «dem Westen» und «dem Islam». Und wenn wir vom radikalen politischen Islam sprechen, der unter Migranten-Jugendlichen in westlichen Gesellschaften um sich greift, handelt es sich dabei nach wie vor um eine Sache von kleinen Minderheiten unter den Einwanderern.

 

Nach dem «Karikaturenstreit» und den erregten Debatten über die Integration von Migranten, ausgelöst von pädagogischen Hilferufen aus der Rütli-Hauptschule in Berlin, bot sich während der Fußball-WM ein ganz anderes, für viele überraschendes Bild. In Deutschland lebende und geborene Türken und Araber wollten beim globalisierten Mega-Event nicht farblos im Abseits stehen und schwenkten mit überschäumender Begeisterung Schwarz-Rot-Gold. Im Taumel der großen Party kannten wir keine Parteien und Volksgruppen mehr, sondern nur noch Deutschland-Fans. Auf ihre frisch entdeckte Liebe zu den Landesfarben angesprochen, sagten die jungen Leute immer wieder Sätze wie diese in die Kamera: «Wir leben doch hier. Deutschland ist unsere Heimat.»

Auch die Integration in Deutschland ist offenbar besser als ihr Ruf, besser ...

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Theater heute Jahrbuch 2006
Rubrik: Regeln des Zusammenlebens, Seite 6
von Richard Herzinger

Vergriffen