Phänomen Abstieg

Politisch, ästhetisch und privat, in kulturpolitische Zusammenhänge gesetzt und versehen mit Materialien zum Niedergang des bürgerlichen Theaters

1. Abstieg, politisch: Freundliche Übernahme

«Kultur» ist eine Standesorganisation wie die Ärzteschaft oder die Justiz (vgl. hierzu Alexander Kluge: «Korti», in: «Lebensläufe», Stuttgart 1962). Die Angehörigen des Kulturstandes (heute oft irreführend: «Kulturbetriebes») schützen die Ihren. Aber wie? Und wovor? Man begreift sich gern als Opfer, ohne diese Fragen beantworten zu können.

 

Ein Gedankenspiel des ehemaligen Theaterkritikers D.

:

Übernahme des ehemals bürgerlichen Kulturbetriebes durch die Unterhaltungsindustrie: Ein Konsortium – Vivendi, Metropolen-Magazin «Prinz», Nestlé – kauft für eine Summe von einem Euro den deutschen Stadttheaterbetrieb. Problem: Man darf das nicht sagen. Allein die Präsentation der Idee in satirischer Form würde den Stadtkämmerern so viel Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, dass ihre Verwirklichung kaum noch zu verhindern wäre: der weiße Ritter!

 

Businessplan:

Vivendi sorgt dafür, dass in den Aufführungen die Musik der konzerneigenen Label verwendet wird. Die Theaterkünstler dürfen zur Premiere wichtiger neuer CDs Revuen inszenieren. Gelegentlich kann ein Musikstar, der bei den Labels des Konzerns unter Vertrag ist, für eine Theaterproduktion ...

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Theater heute Jahrbuch 2006
Rubrik: Regeln des reglosen Kritikers, Seite 44
von Robin Detje

Vergriffen