Die Welt und andere Ablagerungen

Jürgen Gosch über Theater, Ekel, Maßstäbe und Erfolg – oder Misserfolg

«Ich habe mich vor acht Wochen in Hamburg mit ‹Nachtasyl› beschäftigt, da habe ich über ‹Nachtasyl› nachgedacht, und vor einem halben Jahr habe ich mich mit ‹Macbeth› beschäftigt, da habe ich über ‹Macbeth› nachgedacht. Und im Moment mache ich wieder was anderes. Und das beschäftigt mich außer ein paar andere Sachen eigentlich den ganzen Tag.
Gleichzeitig habe ich nur das Recht, mich ausschließlich mit diesen Texten, diesen verschiedenen Literaturen zu beschäftigen, wenn sich in mir über die Jahre, die ich lebe, Welt abgelagert hat.

Von dieser Welt denke ich, sie ist das einzige, was mir zur Verfügung steht, um den Texten zu begegnen. Und von dieser Welt muss sich was abdrücken in den Inszenierungen. Gleichzeitig von der Welt, die die Schauspieler in sich tragen, oder der von denen, die mit mir gemeinsam an den Stücken arbeiten. Und wenn die nicht mit allem Interesse und mit aller Energie, die sie haben, versuchen, einen Ausdruck zu finden für das, was sie ihr Leben lang erlebt haben und für das, was sie in diesen Wochen vielleicht das erste Mal zur Kenntnis nehmen an bestimmten Texten, dann müssen wir gar nicht anfangen zu arbeiten. Es glückt manchmal mehr und es glückt manchmal ...

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Theater heute Jahrbuch 2006
Rubrik: Regeln des Jahres, Seite 130
von Jürgen Gosch

Vergriffen