Offene Wunde

Anja Hilling: «Engel»

Es ist mein innerlichstes Stück», sagt die 31-jährige Autorin, die im vergangenen Sommer als Nachwuchsdramatikerin des Jahres gewählt wurde und diesen Sommer schon ihr sechstes Stück vorlegt. Sie hat gerade ihr Studium Szenisches Schreiben an der UdK Berlin absolviert und bereits das Reich der Profis erreicht. Spannende Inszenierungen sind aus ihren Texten hervorgegangen: Kriegenburgs «Protection» etwa oder Roger Vontobels «Monsun». Sie hat alle Aufführungen gesehen, und das hat Folgen. In ihrem neuen Stück stellt Anja Hilling den Mehrwert des Theaters noch mehr in Rechnung.

Sie überfordert das Theater im besten Sinne, indem sie nicht nur die dramatische Einheit von Raum, Zeit und Handlung vollends auflöst, sondern auch die Logik ihrer Figuren ad absurdum führt: Es gibt keine Einheit der Handlung mehr, die sich wenigstens am Ende des Stückes behaupten lässt, keine Chronologie der Zeit, die das Erleben nachvollziehbar macht, keine Identität der Figuren, die nicht anzweifelbar ist. Also bewegen wir uns bei der Lektüre im «Chaos der Rekonstruktion», wie die Autorin selbst eine Szene kommentiert, bei der Passanten einen Unfall beobachtet haben, den jeder Einzelne anderes beschreibt. ...

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Theater heute Jahrbuch 2006
Rubrik: Neue Regeln, Seite 148
von Marion Tiedtke

Vergriffen