Neurotische Frauen

Elfriede Jelinek: «Ulrike Maria Stuart»

Wie man hört, wird Bernd Eichinger demnächst in Zusammenarbeit mit einem renommierten Baader-Meinhof-Chronisten die Geschichte der RAF verfilmen. Zu erwarten ist eine oberflächenpolierte Terroristen-Schmonzette, die sich als Historie geriert. Ein bekanntes Fernsehgesicht wird in Zukunft für Ulrike Meinhof stehen, und endlich werden wir die Menschen, die unsere Geschichte bestimmt haben, kennen, ihre Gefühle und ihre Motivationen verstehen.

In Elfriede Jelineks «Ulrike Maria Stuart» versteht man erst einmal wenig – zersplittert, überhöht und grotesk erscheinen die Figuren, zersplittert auch die Geschichte und undurchdringbar die Sprachwüste, die uns die Autorin zumutet. Königinnen, Engel und Prinzen samplen sich durch drei Zeitspannen, durch Ideologien und Ideologielosigkeit und erzählen ganz nebenbei von der Unmöglichkeit einer auch nur halbwegs objektiven Geschichtsschilderung.
Maria Stuart und Elisabeth I., Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin – gleich zwei mal zwei Königinnen, zwei mal zwei Frauen kämpfen in Elfriede Jelineks neuestem Stück um Macht und Liebe, bekämpfen sich gegenseitig und kommen zu Fall. Ausgehend vom Kerker, von der Strafjustizanstalt Stammheim, öffnet Elfriede ...

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Theater heute Jahrbuch 2006
Rubrik: Neue Regeln, Seite 153
von Sonja Anders

Vergriffen