Mal ehrlich

Mir scheint, Präsident Trump (eine Kombi, angesichts derer ich mir immer noch die Augen reibe) hat vom Opernbusiness ein, zwei Tricks gelernt. Dass ist nicht so überraschend, wie Sie vielleicht meinen. Ich glaub zwar kaum, dass seine Aufmerksamkeitsspanne für drei Stunden klassische Musik reicht. Aber mal ehrlich: Er gibt die perfekte Buffo-Figur ab! Was sich auf der Weltbühne bizarr ausnimmt, ist im Theater total plausibel: Trumps polterndes Gebaren ist uns von Scarpia, Alberich, Zettel & Co längst bekannt.

Und bei öffentlichen Auftritten bringt sich natürlich eine Claque in Stellung. Jeder gute Showman hat Anheizer, die loswiehern, wenn er sich an einem Scherz versucht. Die jede knallige Phrase bejubeln. Die aufspringen, sobald er ausgewettert hat. Bei der nächsten Rede kann er seinen Zuhörern dann erzählen, er habe beim letzten Mal Standing Ovations eingefahren – und so fort. Wenn das nicht genau das ist, was ich bei einigen meiner Kollegen beobachtet habe, fress ich einen Besen, mit Stiel, Borsten, allem drum und dran.

Dabei ist das Klatschen im Stehen als Währung gar nicht mehr so viel wert. Am Broadway reißt’s die Leute längst nach jedem Vorhang von den Sitzen. Londons West ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Aus dem Leben eines Taugenichts, Seite 79
von Christopher Gillett