Ins Wasser

Bergs «Wozzeck» mit Roman Trekel, Anne Schwanewilms und der Houston Symphony unter Hans Graf

Die Wahrheit, so verheerend sie anmutet, hat von ihrem Schrecken nichts verloren: «Der Mensch ist ein Abgrund.» Wozzeck, dieser arme Tropf, dem die Welt nichts zu entbieten weiß außer Ablehnung, Abneigung und Demütigung, formuliert diese Erkenntnis, bevor er sie belegt: durch den Mord an Marie. Wenn Roman Trekel sie singt, klingt das wie dämonische Prophetie: desillusioniert, verdüstert, absolut. Für den Bariton ist der Wozzeck eine Paraderolle, sie scheint wie geschaffen für seine gewölbedunkel timbrierte Stimme, deren Nuancen auch auf dieser Aufnahme bestechend reich sind.

In der Houston Symphony unter Hans Graf hat Trekel einen äußerst profunden Partner nicht nur in dieser Szene, wo rhythmische Unerbittlichkeit waltet. Generell ist der Orchesterklang modern gehärtet, transparent, pointiert. Und facettenreich: Das scheinbare Idyll, das in diesem Werk immer wieder durchscheint – mal als mondenlichter Moment, mal als tänzerische Groteske wie in der Wirtshausszene –, wird ebenso konzis ausgestaltet wie die völlige Verdunklung der menschlichen Seele.

Ein herber Berg also, der jedwede (spät)romantische Tendenzen zurückdrängt zugunsten einer expressionistisch plastischen ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 38
von Jürgen Otten