DAS LICHT IM KASTEN

(STRASSE? STADT? NICHT MIT MIR!) ("unempfindlichen Staub mißhandle ich, tobend vor Unsinn!") © Aufführungsrechte Rowohlt Theater Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2016

Also, ich weiß jetzt gar nichts mehr, am liebsten ließe ich nur Plüschtiere, also Schauspielerinnen und Schauspieler als Plüschtiere auftreten, aber nie werde ich das bekommen! Das wollte ich für mein letztes Stück haben, ich finde nicht, daß das zuviel verlangt ist. Ich will es, ich will es. Aber Sie wollen mit Sicherheit was andres, bloß werden Sie Sicherheit dadurch nicht gewinnen. Also, wer auch immer, na und?:

Ich habe gehört, es gibt jetzt eine Satzung im Gesetz, daß man Orgien feiern muß.

Es geht nicht, daß man auf den Bergen herumschwärmt oder einfach nur glücklich ist, es geht nicht, daß man sein Leben führt, an der Hand (weil es immer wieder weg möchte von einem?), es geht nicht, daß man gar nichts macht. Es zieht und zerrt an einem. Man muß sich hinaufschwingen, wir haben ein Gesetz, und das heißt Orgie. Wir haben ein Gesetz, und nach dem heißt es Genuß, obwohl das manchmal viel Arbeit macht. Und meist machen dann andre die Arbeit. Und sie machen sich auch Arbeit mit uns. Niemand muß mehr sterben, weil wir alle leben dürfen. Weil wir es wollen, wie wir da sitzen, auf dem Schoß der Zeit, die uns jeden Moment runterschmeißen kann, weil sie selber ...

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Theater heute März 2017
Rubrik: Stück, Seite 99
von Elfriede Jelinek