Die Metamorphose der Anamorphose

Der Architekt François Abélanet und die Szenografin Nadia Lauro verwirren die Sinne mit vorgetäuschter Dreidimensionalität. In Gärten wie auf Teppichen, real und doch virtuell, mit Poesie und Humor, in Parks wie auf der Bühne.

Die Anamorphose ist eine wahre Schelmin. Sie spielt mit unserem Raumverständnis, unserem Begriff von Realität und dem Verhältnis zwischen Gesehenem und Verstandenem. Lässt man sich von einer Anamorphose umgarnen, begreift man nicht mehr, wo ein Bild anfängt, wo es endet und wie es im Raum steht. Es scheint zu schweben und betrügt dabei die eigene Form. Scheint eine räumliche Sphäre zu schaffen, vertikal und horizontal zugleich, sodass wir selbst nicht mehr begreifen, wie sich ein menschlicher Körper in diesem Raum positioniert. Aus der Malerei des 16.

Jahrhunderts fand die Anamorphose ihren Weg in die Landschaft und auf die Bühne. Wobei es zwischen beiden kaum Unterschiede gibt. Zumindest sieht François Abélanet es so. Der gelernte Architekt ist Frankreichs „Monsieur Anamorphose“. Er bespielt die prominentesten öffentlichen Plätze und Gärten mit zumeist pflanzlichen Installationen, die je nach Blickwinkel abstrakte Skulpturen oder geometrische Motive bilden. Die Ursprünge der Anamorphose situiert er noch weit vor der Erfindung der Perspektive und vor Holbeins berühmtem Totenschädel in seinem Bild „Die Botschafter“ (1533), der nur  als solcher zu erkennen ist, wenn man den Kopf zur ...

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BTR Ausgabe 4 2021
Rubrik: Produktionen, Seite 18
von Thomas Hahn

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