Blick zurück – und nach vorn

Im Oktober 1907 erschien die erste „Bühnentechnische Rundschau“. Mit einigen Unterbrechungen in der Erscheinung ist sie seitdem Pflichtlektüre für alle, die in der Veranstaltungsbranche arbeiten. Nach unserer Rechnung ist das aktuelle Heft die 750. Ausgabe der „BTR“ – sofern sich das exakt sagen lässt. Ein guter Anlass allemal für eine Rückschau

Bühnentechnische Rundschau

Den Anfang der Geschichte der „Bühnentechnischen Rundschau“ setzte der Verband Deutscher Bühneningenieure, der im Juni 1907 in Wiesbaden gegründet wurde. Vorsitzender war Hofrat Schlick, der Verband zählte 41 Mitglieder. Die Herausgabe einer Fachzeitschrift wurde als ebenso notwendig erkannt. Im Folgenden blieben die Geschichte von Verband und Fachzeitschrift eng verbunden.

Um die Motive der Herren für die Vereins- und Zeitschriftengründung zu erläutern, lohnt ein Blick auf die Bühne zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Der große Theatermann Erwin Piscator hat die Situation treffend beschrieben: „Es ist kein Zufall, dass in einem Zeitalter, dessen technische Schöpfungen alle anderen Leistungen turmhoch überragen, eine Technisierung der Bühne eintritt. Und es ist ferner nicht zufällig, wenn diese Technisierung gerade von einer Seite einen Anstoß erfahren hat, die sich im Widerspruch mit der gesellschaftlichen Ordnung befindet. (…) Die (dramaturgische) Funktionsänderung der Bühne war nicht denkbar ohne eine technische Neugestaltung des Bühnenapparates. Dabei erscheint mir, als ob in Wirklichkeit hier nur etwas nachgeholt wird, was schon längst überfällig war: Bis auf Drehscheibe und elektrisches Licht befand sich die Bühne zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch in demselben Zustand, in der sie Shakespeare zurückgelassen hatte: ein viereckiger Ausschnitt, ein Guckkasten, durch den der Zuschauer den bekannten ‚verbotenen Blick‘ tun durfte.“

Die Entwicklung in Gesellschaft, Kunst und Technik explodierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts – alle Bereiche waren eng miteinander verzahnt. Das neue Regietheater Max Reinhardts wäre ohne die Erfindung der Drehscheibe gar nicht möglich gewesen. Mit elektrischem Licht konnten die Räume auf der Bühne komplett ausgeleuchtet werden. Richard Wagner hatte das Festspielhaus in Bayreuth gebaut und damit die Revolution im Theaterbau eingeleitet. Schluss mit dem hierarchischen Hoftheater, aber auch mit Oper als Ort des puren Amüsements. Das Publikum wurde an die Bühne gerückt, das Orchester verschwand unter dem Zuschauerraum – eine unglaubliche Provokation zu jener Zeit. Die Technischen Direktoren waren die grauen Eminenzen am Theater gewesen. Bühnenbilder hatte es zuvor ja nur in Form von bemalten Prospekten gegeben, die diese Technischen Direktoren oftmals auch selbst malten. Damit beherrschten sie den ganzen Apparat Theater uneingeschränkt.

Plötzlich entstand aber eine neue Theaterkunst – dreidimensionale Bühnenbilder mit künstlerischem Anspruch, Regisseure mit eigenen, neuen Ideen. Gleichzeitig hielt der Stahlbau Einzug ins Theater – Ingenieursqualitäten waren gefragt. Das Verhältnis zwischen Kunst und Technik kam auf den Prüfstand, die Technischen Direktoren und führenden Techniker fühlten sich abgedrängt. Dazu einer der Verbandsgründer, der Maschinendirektor Josef Klein vom Hoftheater München 1909: „Es gibt wohl selten im heutigen Berufsleben einen Beruf, über dessen Aufgaben und Leistungen die Öffentlichkeit so wenig unterrichtet ist, wie den des Bühnentechnikers. Er muss Künstler sein und ein reiches Empfinden haben, um sich jeweils in den Ideen der Autoren zurechtzufinden. Er muss ein vollendeter Techniker sein, denn wohl selten treffen so viele Zweige der Technik auf einem Punkt zusammen wie auf der Bühne. Zu all diesen Anforderungen kommt nebenbei noch die große Verantwortlichkeit für die Sicherheit des Personals und der Darsteller, auch im Bezug auf die Feuergefahr.“ Wir erinnern uns: Die Jahrhundertwende war auch die Zeit der Theaterbrände!

Verband und Zeitschrift 
Es galt also, die eigene Stellung zu behaupten und gleichzeitig die Arbeit auf der Bühne den veränderten künstlerischen und technischen Bedingungen anzupassen. Der Verband stellte sich im Wesentlichen die Aufgabe, das Ansehen des Bühnenberufs anzuheben, die Verantwortlichkeiten und Rechte zu klären sowie eine geregelte Ausbildung für qualifizierten Nachwuchs zu schaffen. Wesentlich war bei der Gründung auch die Idee, eine Fachzeitschrift zu haben. „Unsere Bühnentechnische Rundschau soll ganz den Interessen des Bühnentechnischen Berufes gewidmet sein, will im Verkehr der Mitglieder untereinander als berufene Sprecherin vermitteln, kollegiale Beziehungen herstellen, dann vor allem durch den sachlich-technischen Teil gegenseitige Anregungen geben“, so die Idee der Gründer. Die angestrebte „Hebung des Ansehens“ des Bühnentechnikers bedeutete zunächst, als gleichberechtigte Beteiligte an der Produktion im modernen Theater wieder Fuß zu fassen. Zitat aus der BTR von 1919: „Ganz allgemein wird der Theatermaler als Künstler bewertet. Aber darüber besteht wohl kaum Zweifel, dass die Arbeit eines Bühnentechnikers in leitender Stellung immer künstlerisch sein muss. Dass nicht alle Bühnentechniker Künstler im vorgegebenen Sinn sind und sein können, ergibt sich aus der Vorbildung und Veranlagung.“ Die Diskussion um das Verhältnis von Kunst und Technik und die Wertigkeit beider ist nie abgerissen und findet sich in zahlreichen Berichten der BTR.

Ausbildung 
Das Thema Ausbildung war und ist eine wesentliche Säule der Verbandsarbeit und wurde von der BTR stets aufgenommen. 1925 gelingt es dem damaligen Verband deutscher Bühneningenieure erstmals, eine Prüfungsordnung für Bühnenund Beleuchtungsmeister einzuführen, 1966 war die Gründung des Seminars für Bühnen- und Beleuchtungsmeister für Theater und Fernsehen in Recklinghausen ein Meilenstein. Über zahlreiche Etappen erreichte der seit 1951 als Deutsche Theatertechnische Gesellschaft (DTHG) neu gegründete Verein sein Ziel, eine durchgängige Ausbildung inklusive Studium für Theatertechniker zu schaffen. Die mittlerweile technisch hochgerüsteten Theater, aber auch die vielen neu gebauten Stadthallen erforderten in den 1980er-Jahren Führungspersonal, das nicht aus lang gedienten Bühnenmeistern rekrutiert werden konnte. Dem Verband gelang eine wegweisende Initiative, die von der BTR ausführlich begleitet wurde: Einer aus DTHG-Mitgliedern und Professoren bestehende Arbeitsgruppe installierte den Studiengang zum Diplomingenieur für Theater- und Veranstaltungstechnik an der Technischen Fachhochschule Berlin am Fachbereich Maschinenbau – heute das Bachelorstudium an der Berliner Hochschule für Technik. Damit gab es weltweit erstmalig eine fundierte Ausbildung mit Abschluss für technische Führungskräfte. Die Studierenden und Professoren berichteten von Anfang an über Projekte und Inhalte des Studiums. Nach dem Fall der Mauer initiierte die DTHG mit Kollegen aus der ehemaligen DDR die Einführung des Berufsbilds Meister für Veranstaltungstechnik und der Fachkraft für Veranstaltungstechnik. Die Inhalte und Ausrichtungen wurden in der BTR intensiv diskutiert.

Sicherheit 
Einen breiten Raum nahm das Thema Sicherheit ein. Es galt, den Arbeitsplatz Bühne, der gemeinhin mit den schwebenden Lasten als einer der gefährlichsten Arbeitsplätze überhaupt gilt, für alle Beteiligten sicher und überschaubar zu organisieren und die Arbeit möglichst effizient zu gestalten. Die Mitarbeit in Ausschüssen und Gremien, die sich mit Arbeitsschutz, Sicherheit, Brandschutz, Standards und vielem anderen beschäftigen, waren und sind wesentliche Betätigungsfelder der DTHG. Warum müssen Podeste, Geländer und Scheinwerfer genormt sein, warum kann nicht jeder das bauen, was gefällt und was ihm gut und praktisch fürs eigene Haus erscheint? Hierüber sind bereits in den 1920er-Jahren leidenschaftliche Debatten nachzulesen. Die Theater beliefernden Firmen drängten zur Erstellung von Normen, um Produktionskosten zu sparen. Den Theaterleuten ging es vor allem um die Sicherheit – zu wissen, dass ein geprüftes Gerät sicher ist und verlässlich funktioniert. Hier trafen sich die Interessen an der Normung, auch wenn die Parteien inhaltlich nicht immer übereinstimmten. 1929 wurde von dem Technischen Direktor Prof. Walther Unruh der erste Normenausschuss zur Festlegung der Begriffe, Namen, und Bezeichnungen von bühnentechnischen Einrichtungen gegründet, der bis vor Kurzem existierte! Über viele Jahre führte die BTR eine eigene Rubrik – „Neues aus den DIN-Ausschüssen“. Die DIN-Normen wurden zu einem Weltstandard und setzten Maßstäbe für die Erstellung europäischer Normen, die auch weiterhin von engagierten Experten und Expertinnen be- und erarbeitet werden.

Theaterbau 
Die Dokumentation von Neubauten und Sanierungen war ein wesentlicher Motor der Gründung der Fachzeitschrift gewesen. Der Bauboom zur Jahrhundertwende und bis zum Ersten Weltkrieg, ausgelöst durch erstarkte Kommunen und deren Bildungsbürgertum in Kombination mit explodierenden künstlerischen Ideen und technologischen Neuerungen, nahm von Anfang an einen breiten Raum in der BTR ein. In den Ausgaben der 1920er-Jahre sind interessante Berichte über die Experimentiertheater von Erwin Piscator und Walter Gropius zu finden. Dieses fand ein jähes Ende im Faschismus, wo die Theater in pompöse, Macht demonstrierende Protzbauten mit Führerloge verwandelt wurden. Auch diese wurden in der BTR vorgestellt, das politische Hängen des „Fähnleins nach dem Winde“ ist in manchen Berichten nicht zu übersehen.

Die Wiedergründung der BTR nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1949 initiierte der Technische Direktor und Bühnenplaner Prof. Walther Unruh. Dieser setzte wesentliche Impulse für den Wiederaufbau oder Neubau der deutschen Theater und exportierte sein Know-how ins Ausland. Mit seiner Bühnenplanung der Metropolitan Opera in New York, dem Opernhaus in Tokio oder dem Opernhaus in Sydney legte er den Grundstein für die weltweite Verbreitung deutscher Bühnentechnik. Walther Unruh war zudem 1968 wesentlich an der Gründung der OISTAT, dem internationalen Verband von Szenografen und Theaterarchitekten, damals OISTT, beteiligt und ihr erster Präsident. Über diese Kontakte fanden auch internationale Projekte Eingang in die Zeitschrift. Helmut Großer, Technischer Direktor u. a. in Köln, Wiesbaden und zuletzt an der Staatsoper München, beerbte ihn in allen Bereichen. Er übernahm die Schriftleitung der BTR 1971 bis 1998 und war von 1979 bis 1997 Präsident der OISTAT. Berichte über internationale Bauprojekte brachte er durch seine zahlreichen Reisen und Kontakte in die BTR ein, im Nationalen waren spektakuläre Bauten wie das ICC und der Palast der Republik die Highlights der Berichterstattung. Helmut Großer pflegte über die OISTAT gute Kontakte mit den Kollegen in der DDR und Osteuropa und kümmerte sich stets um eine grenzübergreifende Berichterstattung, die die BTR hinter dem Eisernen Vorhang bereits zu Zeiten des Kalten Krieges bekannt machte.

Als ich die Redaktion 1998 von Helmut Großer übernahm, war nach der Wiedervereinigung die erste Welle der Restrukturierung der ehemaligen DDR-Theaterlandschaft vorüber, die BTR hatte über viele Schließungen, Zusammenlegungen und Sanierungen berichtet. Die schwächere wirtschaftliche Situation von Gesamtdeutschland rückte den Kostenfaktor der Bauten stärker in den Fokus. „Billig können wir uns nicht leisten!“ war ein beliebter Ausspruch des langjährigen Vorsitzenden und Geschäftsführers der DTHG, Siegfried Stäblein (von 1987 bis 2000), wenn es darum ging, die nachhaltige Qualität von Bauten und Technologien gegen kurzfristige Sparzwänge zu verteidigen. Aber wo sind die Grenzen zu Fehlplanung und Verschwendung? Diese Diskussion begleitet bis heute die Berichterstattung. „Wie weiter?“ lautete ein BTR-Titel zum Zustand der Berliner Staatsoper im Dezember 2002, und auch das finanziell aus dem Ruder gelaufene Leuchtturm-Projekt Elbphilharmonie wurde ausführlich dokumentiert (BTR 1/2017). Zu den jüngsten bemerkenswerten Projekten zählte der Neubau des Münchner Volkstheaters, der im Oktober 2021 eröffnet wurde (BTR 6/2021). Neben den Kosten hat in den vergangenen Jahren das Thema Nachhaltigkeit Eingang in die BTR gefunden. Das betrifft natürlich auch die technischen Neuerungen bei den großen Stromverbrauchern in der Haus- sowie der Bühnentechnik. Ein Umdenken und Handeln wird immer notwendiger, denn auch an Theatern gehen steigende Energiekosten und der gesellschaftliche Diskurs zum Klimawandel nicht vorüber. Jüngste Projekte und Initiativen zeigen dies deutlich, auch in der BTR-Berichterstattung.

Neue Technologien 
Die Entwicklung neuer Technologien für die festen und mobilen Installationen ist stets die Klammer für die Berichterstattung gewesen. Mit ihren Anzeigen schuf die Theater beliefernde Industrie von Anfang an die wirtschaftliche Grundlage für das Erscheinen des Hefts. Die BTR war zwar immer mit dem Verband der Bühnentechniker, später der DTHG, verbunden, gehörte diesem aber nie. Natürlich war es ein wesentliches Anliegen der Firmen, ihre neuen Produkte und Technologien vorzustellen. Durch die 750 Ausgaben ziehen sich die Berichte, sei es von den Firmen selbst oder von Planern und Fachleuten, die die Produkte und deren Anwendung dokumentierten. Von Fachleuten, für Fachleute – dies war das Funktionsprinzip der BTR, das auch für die Dokumentation von Planungen bühnentechnischer Anlagen galt. Die Entwicklung der Scheinwerfer von der Glühlampe über Halogen und Neon zur heutigen LED und die Fortschritte der Tontechnologie mit ihren immer neuen Methoden der Einspielung, Übertragung und Verstärkung von Musik oder Audioeffekten mit den jeweiligen Techniken der Steuerung finden seit jeher Eingang in die BTR.

Ein großer Schwerpunkt in der Berichterstattung war immer die Entwicklung der Bühnentechnik mit den Neuerungen bei Podien, Drehscheiben oder Bühnenwagen sowie die zunehmende Mechanisierung des Schnürbodens vom manuellen Bewegen der Dekors bis hin zur aktuellen, computergesteuerten Obermaschinerie. Bühnentechnik „Made in Germany“ wurde seit den 1990er-Jahren zunehmend ein Exportschlager, was sich in Berichten über die Bühnen der Opéra de la Bastille, des Opernhauses Genua, des Opernhauses Peking oder dem Royal Opera House in Muscat niederschlug. Die Bühnenplaner haben in ihren Projektberichten die verschiedenen Gewerke zusammengebracht und die Funktionsprinzipien erläutert. So griff ein Rad ins andere, um das Ziel all dieser Aktivitäten zu realisieren, die Gestaltungsmöglichkeiten für die Kunst zu unterstützen und zu erweitern. Nach einem Jahrhundert rasanten technischen Fortschritts – der vor allem in den vergangenen Jahrzehnten durch die Digitalisierung in allen Bereichen des Theaters geprägt war – können grandiose Effekte allein mit Lichtgestaltung oder fahrender Bühnenmaschinerie erzielt werden. Damit aus Effekten aber Kunst wird, bedarf es zunehmend der Zusammenarbeit aller.

Produktionen 
Wie diese Zusammenarbeit aussah, wurde in Dokumentationen über technologisch besonders aufwendige oder raffinierte Produktionen dargestellt. Die BTR darf sich rühmen, seit der Wiederaufnahme der Festspiele von Bayreuth 1951 nach dem Zweiten Weltkrieg alle Produktionen in Bayreuth dokumentiert zu haben! Jede Produktion ist ein Prototyp, aber manche Neuerfindung fand Eingang in die Serienproduktion und erweiterte die Palette der kleinen und großen Helfer auf der Bühne. Praktikabel, Vorhangschienen, Hebezeuge – viele neue Produkte sind entstanden, um die Arbeit auf der Bühne zu erleichtern und effektiver sowie sicherer zu gestalten. Mein Interesse galt dabei besonders der Verbindung zwischen „Kunst und Technik“ mit dem Ziel, das gegenseitige Verständnis zu verbessern. So kamen neben den Technikern viele Bühnenbildnerinnen und Bühnenbildner, Lichtgestalter, Tonmeister oder Kostümbildnerinnen, Regisseure oder Intendanten zu Wort, um das Verständnis der Berufsgruppen untereinander zu fördern. In Zusammenarbeit mit Iris Abel, die 2003 als Redakteurin zur BTR kam und 2019 die Redaktionsleitung übernommen hat, hat sich dieser Schwerpunkt immer weiter aufgefächert.

Messen und Kongresse
Auch Berichte über die Bühnentechnischen Tagungen sowie die OISTAT-Kongresse und Veranstaltungen der befreundeten Organisationen der DTHG gehören zur BTR. Das Spektrum der Messen und Kongresse hat sich sukzessive erweitert, vor allem seit die SHOWTECH in den 1980er-Jahren und später die Prolight + Sound ein internationales Fachpublikum anzogen. Umgekehrt erhielten ausländische Firmen zunehmend Gelegenheit, im Ausland auszustellen, auch dies wurde dokumentiert. Mit Einführung europäischer Normen und Vergaberichtlinien sind die Marktchancen für alle internationaler geworden. Messen und Kongresse sind Seismografen der wirtschaftlichen Entwicklung. So wurde und wird ihnen zunehmend entsprechende redaktionelle Aufmerksamkeit geschenkt.

Form und Herstellung 
Dass die BTR sich als Fachzeitschrift über 100 Jahre etablieren und halten konnte, ist vor allem der engagierten Mitarbeit der Fachleute aus der Branche zu verdanken, aber auch klugen Schriftleitern und Verlegern. Bis zur Jahrtausendwende lebte die BTR im Wesentlichen von freiwillig eingesandten Beiträgen.

Als Helmut Großer 1998 die Redaktion abgab, wurde ein Neustart gewagt: Die Zeitschrift sollte eine breitere Leserschaft als die DTHG-Mitglieder ansprechen – seit 1977 ist das Abonnement der BTR Bestandteil der Mitgliedschaft der DTHG. Durchgängiger Vierfarbdruck und eine hauptamtliche Redaktionsleitung waren die ersten Schritte in diese Richtung. Meine Vorgänger hatten die Arbeit für die BTR jeweils neben ihren Tätigkeiten als Technische Direktoren erledigt. Mit der gestiegenen Arbeitsbelastung war dies kein Modell für die Zukunft, und auch die Beiträge der „Freiwilligen“ gingen wegen der gestiegenen Arbeitsbelastung zurück. So haben der ehemalige Geschäftsführer des Theaterverlags, Dr. Michael Merschmeier, und die BTR-Redaktion das Fachmagazin im Laufe der Jahre neu strukturiert und professionalisiert. Dies alles in Kooperation mit der DTHG: Der Vorstandsvorsitzende Wesko Rohde und Mitarbeiterinnen der DTHG-Geschäftsstelle unterstützen die Redaktionsarbeit regelmäßig. Die verbandseigenen Nachrichten, das „Podium“, waren bis 2015 Bestandteil der BTR, wurden aber vom Fachverband später als eigenständiges Produkt herausgegeben – heute in einer Onlineversion. Eine wichtige Voraussetzung für alle Inszenierungen, für die Produktionsprozesse sowie die Organisation und Kommunikation – auf und hinter der Bühne – war und ist die Digitalisierung. Vor allem in der Zeit der Coronapandemie erfuhr diese Entwicklung noch einen deutlichen Schub. Wie die Zukunft der „Bühnentechnischen Rundschau“ aussehen wird – ob analog oder digital – das liegt vor allem an Ihnen, den Leserinnen und Lesern unseres Fachmagazins. Dazu können Sie im Folgenden einige Gedanken und Wünsche für unsere nächsten 750 BTR-Ausgaben lesen! 

Karin Winkelsesser war Mitherausgeberin und langjährige Redakteurin der BTR. Sie bleibt der BTR weiterhin als freie Autorin verbunden.


BTR 4 2022
Rubrik: Foyer, Seite 4
von Karin Winkelsesser

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