Wie eine „Violine im Geigenkasten“

Ein ungewöhnliches wie ehrgeiziges Unterfangen: Um die Aktivitäten in Europas größtem Kulturzentrum, dem Münchner Gasteig, auch während der Zeit der mehrjährigen Sanierung zu gewährleisten, plante die Stadt München ein temporäres Ausweichquartier, genannt „HP8“. Als erstes Projekt wurde jetzt das Kernstück, die Isarphilharmonie, eingeweiht – nach nur eineinhalb Jahren Bauzeit.

Bühnentechnische Rundschau

usziehen oder im laufenden Betrieb sanieren – dies sind die Alternativen bei der Sanierung von Kulturbauten. Schon für ein Mehrspartenhaus sind beide Varianten aufwendig. Im Münchner Gasteig war das Bauen beim laufenden Betrieb keine Option, denn das Haus beherbergt neben den Münchner Philharmonikern auch die Hochschule für Musik und Theater München, die Stadtbibliothek und die Volkshochschule – um nur die wesentlichen Institutionen aufzuführen.

Wohin also in den fünf Jahren der Sanierung? Die Gasteig München GmbH beschloss, für alle Institutionen ein temporäres Ausweichquartier zu entwickeln. Sie entschied sich für das Gelände an der Hans-Preißinger-Straße 8 („HP8“) im Südwesten von München gegenüber dem Heizkraftwerk Süd. Es ist geprägt von einem Bestand an Industrie-, Werkstatt- und Verwaltungsgebäuden, der seit einigen Jahren eine Nachnutzung durch Künstlerateliers und Kreativwirtschaft erlebt. In diesem gewachsenen Gefüge entstehen in Baulücken neben der Isarphilharmonie drei weitere Modulbauten für die oben genannten Institutionen sowie für ein Restaurant und zusätzliche Veranstaltungssäle. Das Architekturbüro gmp von Gerkan, Marg und Partner aus Berlin erhielt den Auftrag, einen Masterplan zu erstellen und das Projekt umzusetzen. Drei Dinge machen das Projekt besonders: Zum Ersten war der Preis gedeckelt auf 70 Millionen Euro Baukosten, davon 41 Millionen Euro für die Isarphilharmonie. Dann war der Terminplan extrem eng: 2017 beschloss der Stadtrat, das Gelände am Heizkraftwerk Süd für das Projekt zu nutzen. Im April 2018 wurden gmp von Gerkan Marg & Partner mit der Planung der Isarphilharmonie beauftragt. Der Baubeginn war im März 2020 und die Fertigstellung erfolgte termingerecht im Oktober 2021. Die dritte und wesentliche Besonderheit ist aber die Tatsache, dass die Gebäude demontabel sein sollten, um später eventuell anderen Nutzungen zugeführt zu werden. Bei der Planung lag der Fokus zunächst auf der Aktivierung der historischen, unter Denkmal stehenden Trafohalle von 1929, im Gebäudeplan Halle E genannt. Sie soll zum kommunikativen Zentrum werden und aus dem Gelände einen öffentlichen Ort am Isarufer machen, wobei der industrielle Charakter aber erhalten bleiben soll. Der Entwurf von gmp weist ihr mehrere Funktionen zu: Das Erdgeschoss dient als Foyer für die Isarphilharmonie, und in den weiteren drei Stockwerken ist ein Standort der Münchner Stadtbibliothek mit einem Veranstaltungsaal, Seminar- und Besprechungsräume sowie Räume der Kulturvermittlung und der Volkshochschule entstanden. Auf diese Weise entsteht ein ganztägig zugänglicher, öffentlicher Ort für Kultur und Bildung.

Planung und Konstruktion 
Wie konnte es gelingen, den engen Kostenrahmen und Terminplan einzuhalten bei der gleichzeitigen Anforderung, alles gegebenenfalls wieder rückzubauen? Der Architekt Stephan Schütz, der unter anderem den Kulturpalast Dresden, das Probebühnenzentrum des Deutschen Theaters Berlin und weitere Kulturbauten plante, gibt im Berliner Büro von gmp von Gerkan, Marg und Partner ergänzend zu den Veröffentlichungen über das Projekt Auskunft. Er beschreibt die erste Annäherung: „Ein Konzertsaal – unabhängig davon, dass er als Interim konzipiert ist – sollte einige wesentliche Voraussetzungen erfüllen: Die Raumakustik muss höchsten Ansprüchen ebenso genügen wie der Sitzkomfort. Auf Basis dieser Prämisse entstand das, was ich als Violine im Geigenkasten beschrieben habe. Erstere ist das preziöse Instrument, bei dessen Ausgestaltung es keine Kompromisse geben darf. Der Geigenkasten hingegen hat eine reine Schutzfunktion gegen Wind und Wetter und Störgeräusche von außen. In unserem Fall haben wir hinsichtlich der äußeren Hülle und der Umgänge Konstruktionsmethoden des industriellen Stahlbaus verwendet. Dieser ist auf seine wesentlichen Funktionen reduziert. Die Bedeutung der architektonischen Anmutung im Sinne einer allgemeinen Erwartung an Orte der Hochkultur ist aus meiner Sicht nicht allein ausschlaggebend. Sie ist hier zugunsten der anderen Prioritäten zurückgenommen.“ Die weiteren Überlegungen galten der Anforderung einer Interimslösung. Dazu haben Schütz und sein Team die Tragwerksplaner schlaich bergermann partner sbp und die Haustechniker von Hausladen ins Boot geholt und Systeme für eine Holzelementbauweise entwickelt. Der Neubau der Isarphilharmonie folgt baulich dem Kasten-in-Kasten Prinzip. Dabei handelt es sich um ein Stecksystem aus Vollholz-Elementen, das in die äußere Stahlkonstruktion eingepasst ist. Ein Stahltragwerk mit aufgesetzten Fachwerkbindern bildet den äußeren Kasten. In Verbindung mit in der Fassade integrierten Stegen und der Dacheindeckung entsteht damit die Gebäudehülle. Darin integriert ist der innere Kasten des Konzertsaals aus einer akustisch entkoppelten Brettsperrholz-Konstruktion. Der Saal selbst wurde vom Bauherrn als Schuhschachtel-Saal gewünscht, weil der Gasteig zwar in erster Linie für die Münchner Philharmoniker und das Orchester des Bayrischen Rundfunks entworfen wurde, aber eben ganz viele andere Formate dort stattfinden – Kongresse, Tanzveranstaltungen etc. Dafür ist die Schuhschachtel ein flexibleres Format. Die Ränge sind, wie auch die Saalwände, auf Konsolen aufgesteckt und ebenso demontabel. Die Stahlhülle und der innenliegende Holzkasten stehen auf Stahlbeton-Unterbauten und werden auf der Stirnseite von der Haustechnikzentrale und einer Brandwand in Massivbauweise eingerahmt. Stahltragwerk, Betonbau und Holzbau sind statisch entkoppelte, voneinander unabhängige Gebäudeeinheiten. „Das Entscheidende ist, dass wir vollständig auf Wand- und Deckenverkleidungen verzichtet haben“, erklärt Schütz. In den Umgängen sind die Kabelbrücken untergebracht. Das ist auch ein Hinweis darauf, warum das Projekt in dem engen Kostenrahmen realisiert werden konnte. Üblicherweise erstellt man einen Rohbau, dann kommen die Kabel und Haustechnik und von der anderen Seite wieder eine Wand sowie die Außenwand. So ist es beispielsweise beim Kulturpalast Dresden: Ein Haus, dass aus denkmalrechtlichen Gründen durchgängig verkleidet ist und somit schichtenweise „mehrfach gebaut“ wurde, während die Isarphilharmonie nur einmal gebaut ist. Das ist preiswerter unter der Maßgabe, dass die Technik sichtbar ist und offenliegt. Interim bedeutet allerdings nicht, dass das Haus selbst ein Provisorium ist, dem Gesetz nach also unter die „Fliegenden Bauten“ fallend. Diese dürfen nur zwei Jahre stehen. Das Haus sei nach der Bauordnung mit allen entsprechenden Regeln sowie der VStättVO als Neubau geplant und „könnte auch 50 Jahre“ stehen, so Schütz. Für die gesamte Konstruktion wurde die mit komplexen Großbauten erfahrene Firma Nüssli aus der Schweiz als Generalübernehmer beauftragt. Sie betreut auch die weiteren Bauten des Projekts. Die Holzelemente wurden zeitgleich zum Aufbau des äußeren Stahltragwerks vorgefertigt und anschließend vor Ort zusammengefügt. Dadurch konnte die Bauzeit wesentlich reduziert werden.

Der Saal
Der Saal ist für 1900 Zuschauer geplant worden, 100 Plätze befinden sich in einer Sitzreihe um das Orchester – eine kleine Reminiszenz an den Weinberg. Der Saal ist 32 m breit und 44 m lang und damit eine kompakte Schuhbox. Ein Rang und Galerien auf beiden Seiten umschließen den Zuschauerbereich. Die Oberflächen der Holzwände sind, wie oben erwähnt, sichtbar. „Der unverkleidete Rohbau ist entscheidend für die atmosphärische Wirkung des Saals“, erläutert Schütz. „Die Sperrholzwände wurden dunkel lasiert, um den Fokus auf die hell erleuchtete Bühne zu richten und zudem die robuste Anmutung des Sperrholzes etwas zurückzunehmen.“ Denn die Saalgestaltung ging Hand in Hand mit der Planung der Akustik. Als der Akustiker Yasuhisa Toyota beauftragt wurde, war der Saal schon im Wesentlichen geplant. Die wichtigste Anforderung Toyotas an die Akustik war bereits durch die Konstruktion erfüllt: Die Wände und Decke sollten mindestens 80 bis 160 kg schwer sein. „Yasu Toyota hat einen weiteren wesentlichen Impuls gegeben: Er schlug uns vor, das Parkett relativ steil ansteigen zu lassen, um eine größtmögliche Nähe zur Bühne herzustellen. Das haben wir so umgesetzt, dass das Parkett nunmehr übergangslos in den Rangbalkon übergeht“, so Schütz. „Toyota erklärte, dass derjenige, der gut sieht, auch gut hört.“ Um die Sicht zu verbessern, wurden die Galerien mit transparenten Seilnetzen ausgestattet, schlichtem Industriedraht. Üblicherweise dienen die Galerien auch als Schallreflektoren, aber hier waren sie nicht nötig. Aus der sägezahnartigen, größtenteils überlappenden Anordnung der vorgefertigten Elemente und ihrer rauen Oberfläche in Kombination mit der Form des Bühnenraums, dem ansteigenden Parkett und der Bestuhlung ergab sich ein exakt aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel der schallreflektierenden Oberflächen. Um eine Diffusität des Klangs zu erreichen, wurden an Teilen der Wände horizontale Fichtenleisten angebracht. Eine weitere Eingabe von Toyota war die Forderung nach einer mechanisierten Podienlandschaft. Da es drei bis vier Aufführungen pro Tag gibt, war die zunächst aus Kostengründen angedachte manuelle Lösung nicht praktikabel.

Um die jeweils optimale Anordnung und Aufstellung des Orchesters einrichten zu können, wurde durch Kunkel Consulting Int. GmbH eine elektromechanische Hubpodienanlage geplant. Diese besteht aus drei halbkreisförmig um einen zentralen festen Bereich angeordnete Orchesterstufen aus je drei Podien (je ca. 4 bis 16 m2), die eine Stufung von je 0,25 m ermöglichen. Die Stufen werden hinten vom ebenfalls dreiteiligen sog. Paukenpodest (ca. 100 m2) bis zu den Bühnenwänden umschlossen, das über Schlepptreppen von vorne erschlossen wird. Mit zwei Vorbühnenpodien (25/45 m2) kann die Bühnenfläche in Richtung Zuschauerraum erweitert werden. Mit diesen 14 Podien sowie 13 Maschinen- und Kettenzügen sowie einer Grundinfrastruktur der Bühnenbeleuchtung und Audio-/Video-Technik kann der Saal für verschiedene Veranstaltungsarten jeweils individuell eingerichtet werden.

Foyer und Bildungszentrum
Zwischen Außenhülle und Saal befinden sich die umlaufenden Galerien mit Zugängen zu den oberen Parkettreihen und dem Rang. Sie werden durch eine bis oben sichtbare Treppe, von Schütz Himmelsleiter genannt, miteinander verbunden. Hier setzt sich das transparente Gitter von den Galerien im Saal fort. Die Verbindung zu Halle E erfolgt durch eine sichtbare Fuge zwischen den Gebäudeteilen. Wie das Gebäude funktioniert, war bei einer Besichtigung mit anschließendem Konzertbesuch zu erleben. Der Bus entlässt die Besucherin direkt vor dem Heizkraftwerk, über eine Schnellstraße geht es zur Isarphilharmonie, in der Gewerbeumgebung kaum als Kulturbau auszumachen. Die Transformatorenhalle wirkt von außen beinahe verloren mit ihren Fassaden aus Beton und rotem Ziegel. Innen hingegen überrascht sie mit ihrem gebäudehohen, von oben belichteten Atriumraum mit blauen Brüstungen der umlaufenden Galerien. Die enthusiastische Kommunikationsmanagerin vom Gasteig, Kathrin Metzner, nimmt sich Zeit für eine Führung und verweist auf die historischen Spuren der früheren Nutzung, ein schwerer Deckenkran, Schienen am Boden, Hinweisschilder und der völlig unbearbeitete Boden. Alle Leitungen wurden auch hier in Fortsetzung der Industriearchitektur offen verlegt. Da der Saal längsseitig an die Halle angebaut ist, entsteht eine völlig andere Eingangssituation als üblich. Alle Besucher-Fazilitäten wie Garderobe, WC und Aufzüge befinden sich auf einer Seite, da auf der anderen Seite die Bar auf einem Sockel eingerichtet wurde, der Zugang erfolgt seitlich. Zudem durften die Wände der Halle wegen des Denkmalschutzes nur an wenigen Stellen zum Konzertsaal hin aufgebrochen werden. Wer in die oberen Reihen oder den Rang will, macht sich über die sogenannte Himmelsleiter auf den Weg. Ziemlich steil geht es hinauf, unser Ziel ist der Backstage-Bereich – der Saal ist wegen eines Nachmittagskonzerts geschlossen –, der, wie Metzner erläutert, aus Platzmangel vergleichsweise bescheiden ausfällt. Es gibt lediglich einige Garderoben und Stimmzimmer. Im zweiten Stock befindet sich das Tonstudio. Es ist für Konzertaufnahmen ausgestattet, aber das Haus und der Bayrische Rundfunk, der viele Konzerte aufzeichnet und überträgt, teilen sich das Studio. Weiter hinauf geht es zum Schnürboden auf Ebene 24 m mit einigen Punktzügen, erläutert Metzner. Von oben geht es wieder hinab und über die Fuge zur Halle E. Von den umlaufenden Galerien eröffnet sich ein ungewohnter Blick: Auf zwei Etagen ist die Stadtbibliothek untergebracht, offen zur Galerie und mit Regalen, die frei zugänglich sind. Hier wurde die erste „Open Library“ eingerichtet. Das Prinzip funktioniert auf der Basis von absolutem Vertrauen. „Bisher kamen aber noch keine Bücher abhanden“, sagt Metzner. „Die Bibliothek wird gut angenommen.“ Von 9 bis 23 Uhr kann jeder hier schmökern, lesen, spielen oder am Computer sitzen, das Ziel ist eine 24-stündige Öffnung. „Man muss Vorgänge und Nutzungen sichtbar machen“, sagt Schütz dazu, der mit seinem Team auch gerade die Staatsbibliothek Berlin saniert. „Auf diese Weise entstehen Vernetzungen zwischen den verschiedenen Nutzern des Gasteigs.“ Auch mit der Volkshochschule, die auf der gleichen Etage eine Dependance hat, können Verbindungen entstehen, Interesse wird geweckt, vielleicht auch abends ins Konzert zu gehen – „Animieren für ein inspirierendes Ganzes“, nennt es Schütz.

Nachhaltigkeit
Für die Bereiche Heizung und Lüftung wurden möglichst energiesparende und nachhaltige Lösungen angestrebt. Die Lüftungsanlagen sind auf drei Geschossen an einer Längsseite des Saals als sogenannte „Rucksäcke“ angebaut. Im Sinne nachhaltiger Bauweise wurden die Transportwege der Lüftung möglichst kurzgehalten. Die Luft wird von außen in die Kühlungsaggregate eingezogen und von dort direkt in den Saal abgegeben – ohne weitere Lüftungskanäle. Die Heizung ist in einem vorhandenen, riesigen Untergeschoss von Halle E untergebracht, sie wird direkt von gegenüber mit Fernwärme versorgt. Mit dem Neubau aus Holz, dem einzig nachwachsenden Baumaterial in Kombination mit der Reaktivierung einer leerstehenden Halle ist der CO2-Fußabdruck des Hauses vergleichsweise bescheiden.

Konzerte – heute und morgen 
Am Abend dann die Krönung des Tages im doppelten Sinn: Gegeben wird ein Konzert des Bach-Chors und Bach-Orchesters unter der Leitung von Hansjörg Albrecht, Mozart steht auf dem Programm: die „Jupiter-Sinfonie“, das „Krönungskonzert“ für Klavier und Orchester sowie die „Krönungsmesse“. Halle E ist nun gut gefüllt, viele Besucher kommen früher zu Hugo, Prosecco und Canapés, um den Neubau in Augenschein zu nehmen. „Wo ist denn … die Garderobe, die Toilette, der Aufzug?“ – Diese Frage ist oft zu hören, denn im Gedrängel am einzigen Saaleingang verschwinden die Hinweisschilder. Ja, dies Gebäude muss man verstehen, um es nutzen zu können. Die Münchner Sitznachbarin ist schon zum dritten Mal hier, „inzwischen finde ich mich gut zurecht“, sagt sie. „Nur das Schwarz, das wäre doch nicht nötig gewesen.“ Gewiss, es ist ungewöhnlich, das umgebende Dunkel, der Blick von Reihe 7 geht hinauf in die dunkle Leere. Bei Beginn des Konzerts aber wird er gleich aufs Orchester gelenkt, das bis auf die beiden Cellisten stehend musiziert. Die „Jupiter-Sinfonie“ in ihrem fröhlichen C-Dur trägt das Orchester davon, wobei jedes einzelne Instrument gewürdigt werden kann. Aber die klare Akustik verzeiht keinen Patzer – eine Herausforderung! Beim Klavierkonzert scheint die Pianistin Annika Treutler selbst erstaunt von dem vollen und doch genauen Klang, den sie mit dem Blick nach oben verfolgt. Nach der Pause dann Platzwechsel zu Reihe 24, um für die Krönungsmesse den vollen Raumeindruck zu erleben. Von hier wirkt das

Dunkle gänzlich anders, es schafft Intimität, scheint die Zuschauer zusammenzubringen und näher an das hell erleuchtete Orchester mit Chor zu bringen. Der Chor vor der schwarzen Wand wirkt mit seinen Solisten fast wie ein Gemälde. „Lamm Gottes, der du trägst die Sünden der Welt“, mit diesem Trost werden die Zuschauer verabschiedet. Die Isarphilharmonie hat eine neue Tür aufgestoßen in der aktuellen Diskussion um den Sinn und Wert von Kulturbauten, deren (Um-)bauten schon die Milliardengrenze erreichen. Ein „FAZ“-Kritiker hat Angst, dass mit dem Bau „die klassische Musik in den anstehenden Verteilungskriegen bereits vorsorglich Deckung im Schützengraben der Unscheinbarkeit sucht“. Kriegsvokabular führt in der Debatte sicherlich nicht weiter. Denn entscheidend wird für die Zukunft, ob es gelingt, ein junges Publikum oder neue Publikumsschichten für klassische Musik zu interessieren. Ein kostengünstiger Kulturbau nahe am Publikum kann auf alle Fälle einen guten Beitrag dazu leisten.

Projektbeteiligte

Bauherr: Gasteig München GmbH
Planung: 
• Architektur: gmp ∙ von Gerkan, Marg und Partner, Berlin
• Tragwerksplanung: schlaich bergermann partner sbp, Stuttgart
• Raumakustik Saal: Nagata Acoustics, Tokio
• Bühnentechnik: Kunkel Consulting International, Bürstadt 
• Bauphysik: Müller-BBM, München 
• TGA HKLS: Ingenieurbüro Hausladen, Kirchheim 
Ausführende Firmen, Auswahl:
• Generalunternehmer Bau: Nüssli Group, Hüttwilen 
• Bühnentechnik: ARTHEA GmbH, Radebeul


BTR Ausgabe 6 2021
Rubrik: Bau/Betrieb, Seite 22
von Karin Winkelsesser

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