Das Licht definiert den Raum

Anfang April öffnete das Saarland aus dem mehrmonatigen Lockdown wieder das öffentliche Leben – neben Gastronomie und Einzelhandel auch die Kultur. Das Saarländische Staatstheater konnte dank seines flexiblen Pandemiekonzepts daher Proben planen und fortsetzen – und sogar sechs Premieren zeigen. Zu hohe Inzidenzen brachten danach wieder einen Stopp. Die Bühne für „Der Geizige“, ein „elastischer“, lichttechnisch effektvoller Raum, wird wieder in der kommenden Spielzeit zu sehen sein.

Der Geizige, Harpagon, steht allein im Lichtkegel über seine Geldkassette gebeugt, dann ein Geräusch. Hastig schlägt er die Geldkassette zu, verschwindet damit im Dunkel des Bühnenraums. Jemand folgt ihm schnell über die leere Bühne. Wie von Hand skizziert formen sich plötzlich aus diesem Dunkel – nach oben und zur Seite, Meter um Meter – vier blau leuchtende Linien zu einem bühnenraumfüllenden, quer liegenden Rechteck. Das sich dann zu verschieben scheint, perspektivisch aufweitet zu einer zweiten Kontur.

Die schwarzen Flächen zwischen den blauen Linien assoziiert man schnell als Wände, diese Perspektive ergibt ein überdimensionales Zimmer. Allein der Bühnenboden ist als eine feste, räumliche Konstante zu sehen. Durch ihn schieben sich, wie ein letztes fehlendes Puzzleteil noch zwei, auf einem Bett sitzende, Figuren von unten in das leere Raumgerüst. Das Bild ist komplett. Das Spiel kann beginnen. Im Laufe des Stücks setzt sich dieser „skizzierte“ Raum immer wieder in Bewegung, er ist quasi elastisch – seine Linien werden länger oder kürzer, Wände verschieben sich, ein ausgiebiges Spiel mit Perspektiven ist zu sehen. Türen verschwinden oder tauchen im Dunkel auf, sie wandern, ...

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BTR Ausgabe 3 2021
Rubrik: Produktionen, Seite 16
von Iris Abel

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