Schaffensgefechte und Vätermorde

Die Ausstellung „Regietheater – Eine deutsch-österreichische Geschichte“ im Deutschen Theatermuseum München erzählt anhand ausgewählter Bühnenbildskizzen, Modelle, Rotationen, filmischer Theateraufzeichnungen und anderer Raritäten eine spezielle Geschichte der Theaterwissenschaft. Als Ansatz wählte sie Generationenkonflikte der historischen Regietitanen – von Otto Brahm über Max Reinhardt und Gustav Gründgens bis hin zu Peter Zadek, Peter Stein und Claus Peymann.

Die Ausstellung sollte ursprünglich „Regiegenerationen“ heißen, denn Claudia Blank, die scheidende Direktorin des Deutschen Theatermuseums München, datiert den Beginn des deutschsprachigen Regietheaters mit dem Generationenkonflikt zwischen Otto Brahm und Max Reinhardt. Gemeinsam war beiden, dass sie für das Publikum neue Wahrnehmungsmöglichkeiten und für die Schauspieler ein neues Körperkonzept als Ausdrucksmittel erschlossen sowie den Ensemblegedanken pflegten und förderten.

So überwanden sie die barocke Kulissenbühne und schufen auf jeweils eigene Weise das Fundament für das moderne Theater.

Während aber Brahm als Vertreter des europäischen Naturalismus gilt, der die Ausgesetztheit und Brüchigkeit des Menschen hautnah erleben ließ, das Theater im gewissen Sinn als moralische Anstalt ansah und auf Autoren wie Henrik Ibsen und Gerhart Hauptmann setzte, betonte Reinhardt Ästhetik, Festlichkeit und Freude, bevorzugte klassische Stoffe und verwendete Elemente aus Zirkus, Revue und Commedia dell’Arte. Reinhardt wandte sich gegen seinen Intendanten und Mentor und notierte daher in seinem Tagebuch: „Ich bin durch diese Schule durchgegangen und bin dankbar, daß ich es durfte. (…) Aber ...

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BTR Ausgabe 6 2020
Rubrik: Thema: Tagungen & Ausstellungen, Seite 18
von Eva Maria Fischer

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