Pfeifenoper

Für die Uraufführung der Oper „Wind“ auf der Werkstattbühne der Bregenzer Festspiele im August wurde extra eine Orgel angefertigt, die nicht nur im Bühnenraum eine zentrale Rolle spielt. Solange sie gebaut wurde, konnte Komponist Alexander Moosbrugger mit einer digitalen Simulation arbeiten. Diese stammt vom Experimentalstudio des SWR, das für die Aufführung auch die Steuerung der echten Orgel programmierte und die Klangregie übernahm.

Ein Mann geht in den Wald, schläft ein und beginnt, von seiner Liebe zu träumen. Er verliert sich in einer Fantasiewelt aus zauberhaften Bäumen, Gärten, Gebäuden, trifft auf Nymphen und andere besondere Wesen. Er erblickt aber auch nie gesehene Maschinen, die von Wind und Wasser angetrieben werden. Diese Traumwelt des Romanhelden Poliphilo wurde im August auf der Werkstattbühne der Bregenzer Festspiele zum Opernexperiment, in dessen Mittelpunkt eine Orgel stand.

„Wind“ nennt Komponist und Organist Alexander Moosbrugger sein Werk, das sich am Renaissanceroman „Hypnerotomachia Poliphili“ von Francesco Colonna orientiert. „Das vielleicht schönste Buch der Welt“, nannte der italienische Schriftsteller und Philosoph Umberto Eco die traumwandlerische Reise. Sprachenvielfalt, Philosophie, Naturwissenschaft, Satztechnik und Bebilderung durch 172 Holzschnitte machen das Buch zum Gesamtkunstwerk. Auch in Bregenz vereinen sich mehrere Genres zu einem faszinierenden Ganzen. Der musikalischen Welt von Moosbrugger schafft die bildende Künstlerin Flaka Haliti einen gemeinsamen Raum für Publikum und Mitwirkende, Meister des Orgelbaus – Rieger aus Schwarzach, Voralberg – gestalten die prägenden ...

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BTR 5 2021
Rubrik: Tontechnik/Akustik, Seite 32
von Jutta Berger

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