Multitasking fürs Publikum

Am 9. Dezember 2022 kam im Kunstmuseum Bonn die als „interaktive Live XR-Oper“ angekündigte Produktion „Speculum maius“ zur Uraufführung. Die Zuschauer erleben Live-Gesang und -Musik, eingespielte Klänge sowie Schauspiel. Sie erhalten iPads, um mittels einer App die Aufführung zu beeinflussen – was zumindest bei der Premiere einige (über-)forderte

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Im Auditorium des Kunstmuseums Bonn haben sich zur Uraufführung von „Speculum maius“ rund 100 Gäste eingefunden. Der Saal erinnert an ein anatomisches Theater: Der Zuschauerbereich ist ein Halbkreis mit sechs stufenförmig absteigenden Sitzreihen. In der Mitte befindet sich eine kleine Bühne, auf der die Schauspielerin Maria Stamenković Herranz den Dominikanermönch Vinzenz de Beauvais darstellt.

Dieser lebte um das Jahr 1244 am Hof des französischen Königs Ludwig IX und verfasste unter dem Titel „Speculum maius“ („der große Spiegel“) eine dreiteilige Enzyklopädie in lateinischer Sprache. In dieser Aufführung steht deren Teil „Speculum naturale“ im Mittelpunkt, in dem Pflanzen und Tiere systematisiert werden. Die Darstellerin verliest von Dramaturg Benedikt Holtbernd ausgewählte Texte aus „Speculum naturale“ auf Deutsch, ergänzt um einige Bibeltexte. Das Bühnenbild stellt eine Bibliothek mit zahlreichen Regalen und einem Arbeitstisch dar, an dem die Darstellerin sitzt, liest und mit Glasbehältern hantiert, um Laborarbeiten mit Pflanzenelementen zu imitieren. Wer denkt, die Aufgabe des Zuschauers sei damit erfüllt, dass er dieses Schauspiel verfolgt, liegt falsch. Vielmehr ist ...

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BTR 1 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 28
von Juliane Schmidt-Sodingen

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