Kunst auf der Bühne

Im Jahr 1920 wurden die Salzburger Festspiele zum ersten Mal eröffnet. Das Jahrhundertjubiläum bietet Gelegenheit für einen Streifzug durch die Salzburger Festspielgeschichte – mit einem Blick auf die Kunst. Denn von Oskar Kokoschka bis Rebecca Horn – viele bildende Künstlerinnen und Künstler haben in Salzburg die Bühne und Kostüme gestaltet.

Ein Hund, der das Bein hebt, das Porträt einer traurigen Dame, ein Pappflugzeug auf dem Tisch; überall zerknülltes Papier. Es ist ein bühnengroßes Stillleben, expressiv gemalt – unverkennbar stammt es von Jörg Immendorff. Wenn der Szenenvorhang sich hebt, wird das Bild zum Raum, zur lustvoll rötlich tapezierten Guckkastenbühne. In der rechten Hälfte schmiegen sich Vaginen aneinander, links wimmelt es von gemalten Penissen. Auf einer Leiter beugt sich, den Pinsel schwingend, der Titelheld Tom Rakewell vor einer weißen Leinwand. Er trägt Immendorff-Kluft.

Später wird das Maleratelier zur Stadt, mit mannshohen Pappschachteln als Häusern, im Theaterhimmel Porträts, Fratzen und farbenfrohe Rätsel, während auf der Bühne eine Horde Affen eifrig herumwuselt. In der Ausstattung des Malers Immendorff wurde Igor Strawinskys Lüstlingsoper „The Rake’s Progress“ 1994 bei den Salzburger Festspielen zum großen Freudenhaus. Und weil sich Immendorff in Rakewell und dessen Aufstieg und Fall wiedererkannte, fügte er mit Lüpertz, Beuys und Penck gleich noch ein paar seiner Freunde mit hinzu. Die Bühnenbilder erschienen als inszenierte Gemälde, bewohnt von den auch sonst notorischen Charakteren aus ...

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BTR Ausgabe 4 2021
Rubrik: Foyer, Seite 7
von Irmgard Berner

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