Ein Gefühl des Schwebens

Nicht eine Theaterbühne, sondern das stillgelegte Viktoriabad in Bonn bespielte Regisseur und Bühnenbildner Romeo Castellucci mit „Pavane für Prometheus“ im Rahmen des Beethovenfestes (20. August bis 10. September). Über das Entstehen des Werks in diesem einzigartigen Inszenierungsraum sprach unser Autor mit Romeo Castellucci, seinem Assistenten Alessio Valmori, dem Technischen Leiter Alexander Lanver und der Produktionsleiterin Daniela Ebert.

Bei Romeo Castellucci entsteht jede Inszenierung wie aus einem Guss: Das Thema eines Stücks, die Regie, die Kostüme, die Bühne. Denn um all dieses kümmert sich der Meister persönlich. Wenn er dann auch noch einen Ort bespielt, der gar nicht für Theater vorgesehen ist, steigen die Anforderungen an das Produktionsteam und die Techniker um ein Vielfaches. So auch in „Pavane für Prometheus“, ein Stück für ein Schwimmbad, acht Tänzerinnen, ein Unfallopfer, ein Flugzeugtriebwerk und einen Falken.

Thomas Hahn (TH): Buongiorno, Romeo Castellucci, und Chapeau für Ihre „Pavane für Prometheus“. Das räumliche Erlebnis im Viktoriabad war außergewöhnlich. Dort am Beckenrand zu stehen, sich auf die Brüstung zu stützen und hinabzublicken auf einen mehrere Meter tiefen Raum, der mit Nebel gefüllt ist und aus dem die Tänzerinnen Stück für Stück hervortreten, oder später wie aus einem Flugzeug auf ein Wolkenfeld zu schauen, schuf ein Gefühl des Schwebens. Man spürte förmlich, wie sich der Boden unter den Füßen auflöste. Die weißen Verkleidungen von Boden und Wänden ließen dazu auch den horizontalen Blick ins Leere laufen. Wie verhält sich der Regisseur und Choreograf Romeo Castellucci zu seinem ...

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BTR 5 2021
Rubrik: Produktionen, Seite 52
von Thomas Hahn

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