Die perfekte akustische Illusion

Während das Stammhaus der Komischen Oper Berlin saniert wird, muss die Oper seit September 2023 für sechs Spielzeiten auf andere Spielorte ausweichen. Gleich zur Eröffnung der ersten Saison im Interim wurde mit dem „Floß der Medusa“ von Hans-Werner Henze im Hangar 1 des ehemaligen Flughafens Tempelhof demonstriert, wie aus der Not eine Tugend werden kann. Angesichts der Größe des Spielortes war der Klang von Orchester und Ensemble ein akustisches Ereignis der besonderen Art

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Spektakulär ist schon allein das Setting, in dem das Publikum in der riesigen ehemaligen Flugzeug-Garage einander auf zwei Tribünen (mit insgesamt 1600 Plätzen) gegenübersitzt. Die Bühne in der Mitte: ein großes Wasserbecken (knietief gefüllt), in dem das titelgebende Floß liegt, auf dem sich die Handlung des 1968 uraufgeführten Oratoriums abspielt. Neben den drei Hauptdarstellern agieren 83 Choristen, über 40 Statisten und 20 Sänger aus dem Knabenchor im und am riesigen Wasserbecken (25 x 24 Meter).

Das Orchester in großer Besetzung sitzt an der Rückwand des Hangars, und ganz zum Schluss öffnet sich sogar noch das große Tor zum Flugfeld hin und die Überlebenden der Schiffskatastrophe, die hier geschildert wird, folgen einem Krankenwagen und verschwinden in der Nacht. „Das Floß der Medusa“ basiert auf einem Augenzeugenbericht der Havarie der französischen Fregatte „Méduse“ vor der Küste Senegals im Jahr 1816. Während die Rettungsboote schnell von den hochrangigen Besatzungsmitgliedern zu ihrer Rettung eingesetzt wurden, blieb der Rest der Besatzung, über 150 Menschen, seinem Schicksal auf einem notdürftig zusammengezimmerten Floß überlassen. Die Rettungsboote kappten dann auch noch ...

Die Komische Oper zieht durch die Stadt
Seit Sommer 2023 wird die Komische Oper Berlin umfassend saniert, modernisiert und erweitert. Neben der Überführung des Opernhauses in einen zeitgemäßen baulichen Zustand mit moderner Theater- und Gebäudetechnik, entstehen neben dem alten Standort an der Glinkastraße ein Neubau mit Dachterrasse, Shop, Café, neue Büros und Probenräumen. Er soll zusätzliche, dringend benötigte Räume für kulturelle Bildungs- und Vermittlungsarbeit vorhalten, sich als Opernhaus des 21. Jahrhunderts hin zur Stadt und ihrer Gesellschaft öffnen und somit einen Ort der Begegnung schaffen. Eine für alle. Bis es wieder zurück in die Berliner Mitte gehen kann, residiert die Oper im Schiller Theater, der Interimsspielstätte schon für die Staatsoper und die Komödie am Kurfürstendamm war (BTR-Sonderband 2023).

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BTR 6 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 15
von Sophie Diesselhorst

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