Der digitale Bühnenraum

Die Münchner Schauburg, ein bekanntes und erfolgreiches Theater für das junge Publikum, hat sich in den vergangenen zwei Jahren in die digitale Welt bewegt. Für die Treff.Burg, einen digitalen Bühnenraum, wurde die Technologie für Onlinekonferenzen adaptiert, um Vorteile von Streaming und Kommunikation zu verknüpfen. Daraus sind verschiedene Projekte und Inszenierungen entstanden, die auch künftig weiterentwickelt werden sollen

Die Schauburg am Elisabethplatz in München ist als reines Kinder- und Jugendtheater eines der renommiertesten Häuser für das junge Publikum in Deutschland. Zwei Säle, die Große und die Kleine Burg, sowie ein kreativer Raum, das LAB im Dachgeschoss, bieten viele Möglichkeiten für neugieriges Publikum – vom Baby- bis ins junge Erwachsenenalter. Zeitgenössische Stücke und Textbearbeitungen auf den Bühnen werden ebenso geboten wie Aktionen zum Mitmachen und Experimentieren in LABs.

Vielfalt ist Programm: Formate aus Tanz, Musik-, Figuren- und Improtheater werden gern künstlerisch verbunden. Mobile Angebote für Schulen und Kitas fehlen ebenfalls nicht. Auch in der Schauburg litten während der Pandemie Haus, Belegschaft und Spielbetrieb unter den Einschränkungen. Wie erreichen wir weiterhin unser Publikum, holen es ins Haus, festigen den Kontakt in dieser schwierigen Zeit mit ihm? Mit welchen Angeboten, auf welchen Wegen? Der digitale Raum war die passende Antwort – der nicht als temporärer Spielraum wieder ad acta gelegt wurde, sondern sogar noch erweitert und verstetigt wird.

Durch das Projekt „digital (v)ermitteln“ (im Rahmen von „dive in. Programm für digitale Interaktionen“ von der ...

Der digitale Bühnenraum – die Umsetzung

Im „Tatort Schauburg“ sehen die Zuschauer:innen eine Oberfläche, die zu einem Browser-basiertem Konferenztool gehört. Sie betreten den digitalen Raum mittels Authentifizierung per E-Mail-Adresse und Buchungscode. Benötigt wird dafür lediglich ein internetfähiges Endgerät. Das Konferenztool ist mit dem Ticketingsystem verbunden, die Authentifizierung des Buchungscodes erfolgt automatisch. Alle Funktionen lassen sich zentral mit dem Programm Isadora (kommt in der Audio-Video-Abteilung zum Einsatz) steuern. Möglich ist dies dank der eigens entwickelten Schnittstelle „Treff. Commander“, die OSC-Befehle in das Konferenztool übersetzt. So ist eine Fokusführung möglich, die Anordnung der Fenster aller Teilnehmer:innen lässt sich zentral steuern, man kann bestimmen, wer wann sichtbar und/oder hörbar ist, und zudem Interaktionstools wie Umfragen starten und auswerten. Mit Isadora wurde „Tatort Schauburg“ im Konferenztool inklusive aller Settings programmiert. Die Inszenierung kann man sowohl durchlaufen lassen als auch spontan auf Dinge reagieren und eingreifen. Zudem kann auf einem eigens dafür eingerichteten Kanal im Konferenztool und einer virtuellen Kamera vorgefertigtes Videomaterial eingespeist werden. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent der Bühnentechnischen Rundschau? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Bühnentechnische-Rundschau-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Bühnentechnische Rundschau

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

BTR Ausgabe 3 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 50
von Iris Abel

Weitere Beiträge
Ein Haus im Fluss der Zeit

Sie zählt zu den wenigen reinen Operetten- und Musicalhäusern in Deutschland, die Musikalische Komödie Leipzig. Kurz „MuKo“ wird sie im Volksmund genannt und dieser Name ist gut vernehmbar. Das Haus im Stadtteil Lindenau, drei Kilometer westlich der Innenstadt gelegen, kann auf ein sehr treues Publikum bauen. Ein Haus mit intensiver Nutzung braucht natürlich...

Künstlerische Potenziale ausschöpfen

Es ist bereits eine 20-jährige Tradition, dass sich Dozent:innen und Absolvent:innen, die aus dem Studiengang Lichtgestaltung der Bayerischen Theaterakademie August Everding und dem Verein Lichtgestaltung e. V. hervorgegangen sind, am 1. Mai in München zu einem Erfahrungsaustausch treffen. Den Vorsitz hat die ehemalige Leiterin des Studiengangs, Martemaria...

„Nachhaltig agieren heißt investieren“

Wir können Bedingungen und Abläufe in den Theaterund Opernbetrieben nur verbessern, wenn wir uns mit Themen auch kritisch auseinandersetzen und Schwachpunkte benennen. Hier schildert ein Technischer Direktor seine Erfahrungen und Arbeitsabläufe in seinem Haus. Die klingen bedauerlicherweise erschreckend, aber nicht unbekannt. Kulturbetriebe pflegen nicht immer eine...