In der Zuspitzungsmaschine

In Essen entsteht zum ersten Mal im deutschen Stadttheater ein Stück im Writers’ Room nach dem Vorbild amerikanischer Serien­entwicklung – ein Gespräch mit dem Regisseur Volker Lösch, den Autoren Ulf Schmidt und Oliver Schmaering und der Dramaturgin Vera Ring

Barbara Burckhardt Wir sitzen hier zu viert, zwei Autoren, eine Dramaturgin, ein Regisseur: Das ist die Kernzelle des Writers’ Room, der gerade am Essener Schauspiel nach Shakespeares «Othello» «Das Prinzip Jago» entwickelt. Ulf Schmidt, Sie haben schon vor zweieinhalb Jahren auf der Konferenz der Dramaturgischen Gesellschaft die Idee eines Writers’ Room zur Produktion von Theaterstücken in die Welt gesetzt. Sie sind selbst Autor von Theaterstücken, zuletzt «Der Marienthaler Dachs».

War es das Ungenügen an der einsamen Arbeit am Schreibtisch, das Sie zu dieser Idee getrieben hat, die ja ursprünglich aus Amerika und aus der Produktion von Fernsehserien stammt?
Ulf Schmidt Es gab ja schon länger diese öffentliche, sehr kontrovers geführte Diskussion um Autorenschaft im Theater, nicht zuletzt angeheizt durch Thomas Oberender und die Umdefinition des Stückemarkts beim Berliner Theatertreffen: Ist es der Textschreiber, ist es der Regisseur, der als Autor eines Theaterabends zu betrachten ist? Ich fand diese Frontalstellung absurd und wenig zielführend und habe mich gefragt, warum man sich nicht einfach zusammen hinsetzt. Ich kenne ja die Situation des Theaterautors, der eine Idee hat und ...

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Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Writer's Room, Seite 46
von Barbara Burckhardt