laurent chétouane

ist der Mann vom Meer. Am Atlantik aufgewachsen, will er bei seinen Tänzern Urgewalten entfesseln. Auch in «Sacré Sacre du Printemps», das jetzt bei der Ruhrtriennale zur Uraufführung kommt

Es gibt ein Allerheiligstes, in das kein fremder Blick sich bohren darf. Das es zu schützen gilt vor jeder Neugier, jeder Form informationsheischender Zudringlichkeit. Weil Menschen sich da in einer Art Niemandsland zusammenfinden, an die Grenzen gehen. Gehen müssen, sagt der Wanderführer. Dieses Mal sind sie zu siebt. Auch ihm, der ihren Grenzgang steuert und darauf achtet, dass keiner eine Direttissima-Abkürzung einschlägt, steht die Spannung ins Gesicht geschrieben: «Ich kann alles ertragen, nur nicht wenn einer tut, als ob.

Dieses Als-ob macht mich wahnsinnig – was natürlich eine Ironie ist.» Allerdings. Denn Fiktion ist die grundlegende Verabredung des Theaters. Für Laurent Chétouane zählt dieses Übereinkommen nicht. «Die Begegnung mit dem Publikum in einem Raum ist ein Fakt, das ist die Basis der Arbeit. Was nur so tut, als passiere etwas, ist hinfällig.» Die Zuschauer gehen damit nicht immer überein, weshalb Chétouane seine Darsteller wie ein Löwe beschützt, solange sie noch tasten und sich die Häute ihrer Virtuosität vom Kunstleib schaben, bis die Nervenfasern darunter blank gescheuert sind. Pardon, zu den Proben wird niemand vorgelassen. Zu intim, zu verletzlich und ...

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Tanz August 2012
Rubrik: menschen, Seite 28
von Dorion Weickmann