jan martens

Lange ist er unterschätzt worden, dabei gehen seine Choreografien unter die Haut, erzählen von Liebe, Leid und Lust – ohne Ausrufungszeichen. Jetzt hat der Belgier für zwei Jahre am tanzhaus nrw eine Bleibe gefunden

Inmitten all der Tanzwichtigmacher auf der Internationalen Tanzmesse NRW in Düsseldorf Ende August verkündete sein Jutebeutel: «I like big books and I cannot lie». Ich kann nicht lügen. Ein Bekenntnis? Wer weiß. Jan Martens, ein schmaler, eher unauffälliger junger Mann, dreißig, weiß jedenfalls, wie sich Unterschätztwerden anfühlt. Bettina Masuch hat ihm jetzt am tanzhaus nrw für zwei Jahre eine künstlerische Bleibe verschafft – und damit nicht nur einmal mehr ihr Talentgespür unter Beweis gestellt, sondern einen belohnt, der keinen Umweg gescheut hat, um seinen Weg zu finden.

In seinem Elternhaus im belgischen Beveren gab es viele Bücher, erzählt er. Man las, auch Zeitung. Mutter Hausfrau, der Vater hatte sich bei Esso aus der Raffinerie in die Personalverwaltung hochgearbeitet. Drei Kinder. Mit sechzehn entdeckt Sohn Jan eine Rezension, mit Foto, das will er sehen: «As Long As The World Needs A Warrior‘s Soul» von Jan Fabre. Er sitzt vorn, begeistert vom überbordenden Geschehen. Dass das, was die da auf der Bühne machen, ein Beruf ist, hat er erst später verstanden. Er war Zuschauer. Nichts als das. Aus dieser Perspektive choreografiere er heute, sagt er.

In einem Buchklub lernte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Print-Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zur tanz-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2014
Rubrik: menschen, Seite 18
von Melanie Suchy